Eine Führung durch Berlins dunkle Welten

Wie man denn zum Gesundbrunnen-Center kommt, fragt mich eine Frau. Keine Ahnung, inmitten dieses Wirrwarrs aus Baustelle und Gleisen finde ich mich auch nicht zurecht. Ich bin auch nicht auf der Suche nach dem lokalen Shopping-Tempel, sondern einem Bunker.

Wesentlich einfacher als der Bunker ist zunächst die Verkaufsstelle des Berliner Unterwelten e.V. zu finden. Die Dame an der Kasse spielt die Nummer für Berliner Touristen ab, unfreundlich und kurz ab. Ich lasse mich nicht entmutigen und erstehe trotzdem für 11 Euro eine Karte für Tour 1 „Dunkle Welten“. Treffpunkt ist an der Litfaßsäule, dort sammelt sich mit der Zeit auch ein hübsches Grüppchen an. Und dann geht’s ab in den Bunker (in dem das Fotografieren leider nicht gestattet ist, deshalb habe ich heute keine Fotos für Euch …).

Berliner Unterwelten - Schöner Blog(t)

Durch eine unscheinbare Tür geht es in den Luftschutzbunker, der heute dem Verein Berliner Unterwelten als Museum dient. Durch viele Gänge und Räume werden wir geführt, in denen einige Stücke als Sammlung zusammengetragen wurden. Während der Tour erfahren wir zum Beispiel, dass es Mutter-Kind-Bunker gab. Offiziell sollten die Mütter dort übernachten, damit ihre Kinder nicht immer geweckt werden. Tatsächlich spielte wohl auch die Erhaltung der Arbeitskraft der Mütter eine Rolle …

Ziemlich ruhig wird es, als wir dicht an dicht auf den Bänken in einem Bunkerraum sitzen. Laut Ausschilderung hätten hier noch mehr Menschen hinein gekonnt. Dann wären aber tatsächlich die Kerzen notwendig gewesen, mit deren Hilfe eine „Sauerstoffmessung“ vorgenommen wurde: Jeweils eine Kerze stand auf dem Boden, der Bank und in Kopfhöhe. Wenn die in Kopfhöhe ausging, ging auch der Sauerstoff aus. Dann blieb nur die Flucht hinaus – wenn die Türen des Bunkers nicht durch Trümmer versperrt waren.

Ein besonderer Raum ist der ehemalige Aufenthaltsraum der Feuerwehr. Selbst 70 Jahre nach Kriegsende leuchten die Wände noch, wenn das Licht ausgemacht wird. Sie wurden mit einer speziellen fluoreszierenden Farbe gestrichen, so dass auch bei Stromausfall noch etwas zu sehen war.

Auch in den hinteren Räumen des Bunkers gibt es einiges zu sehen: Informationen zum Führerbunker, zur Berliner Rohrpost und dem Berliner U-Bahnverkehr. Sehr kurzweilige und interessante 90 Minuten, die sich auf jeden Fall gelohnt haben.

Der Verein Berliner Unterwelten bietet neben der Museumstour weiter Führungen durch die Berliner Unterwelt an: http://berliner-unterwelten.de

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One Comment

  1. Oh-oh-oh… da waren wir 2011 auch drin. Junge, ist das schon wieder lange her… und ne Baustelle gab’s damals auch bzw. auch schon. Die Stimmung da unten gekoppelt mit meiner doch etwas ausgeprägteren Abneigung gegen das „unterirdisch“ aufhalten im Allgemeinen hatten definitiv auch etwas Auswirkung auf meinen Kreislauf. Aber ich fand’s trotz allem wahnsinnig interessant.

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