Der Klaviertransport – Ein Drama in zich Akten

Der Mann verfügt über ein Klavier, massiv hergestellt in den siebziger Jahren im fernen Japan. Da wir dieses Klavier ungern in der Mietwohnung zurücklassen wollten, haben wir uns um einen Transport bemüht. Selbstverständlich mit Profis. Abriss eines Dramas in unzähligen Akten.

Erster Akt – Der Auftrag

Das Gesamt-Umzugsunternehmen macht den Klaviertransport nicht, der Mann befragt also F.. F. ist vor einigen Wochen über uns eingezogen und verfügt als verhinderter Konzertpianist über einen Flügel, der mit ihm umgezogen ist. Er war mit dem Transporteur sehr zufrieden und empfiehlt ihn uns.

Der Mann kontaktiert den Transporteur, der 140 Euro plus Mehrwertsteuer veranschlagt. Der Mann weisst ihn darauf hin, dass das Klavier aufgrund des engen Treppenhauses HOCHKANT transportiert werden muss. Das sei kein Problem.

Zweiter Akt – Erster Versuch

Die Wohnung ist leer, es steht nur noch das Klavier. Direkt nach Klaviertransport soll die Wohnungsübergabe mit der Hausbesitzerin stattfinden. Der Wagen fährt vor, zwei Mann begutachten das Klavier und stellen fest: „Das muss hochkant getragen werden.“ Der Mann bleibt ruhig und weist darauf hin, dass er das bei der Auftragserteilung erwähnt hat. Anscheinend kann nur einer das Klavier transportieren: Alexej. Der ist aber im Urlaub. Und erst Donnerstag wieder da. Problem: Donnerstag ist der 1., die Wohnung also nicht mehr von uns gemietet. Und der Mann ist Donnerstag auf Dienstreise. Ein neuer Termin für den nächsten Tag acht Uhr wird verabredet.

Dritter Akt – Zweiter Versuch

Der Mann befindet sich ab 7:45 Uhr in der mittlerweile übergebenen Wohnung. Kurz vor acht erhält er eine SMS, dass die Transporteure gegen 9:30 Uhr eintreffen werden. Der Mann ist etwas verärgert und ruft den Chef der Transporteure an. Der wusste nichts von einem Termin um 8 Uhr.

Vierter Akt – Dritter Versuch

9:30 Uhr: Der Chef erscheint persönlich mit seinen Trägern. Nach zehn Minuten steht fest: Das Klavier muss hochkant getragen werden. Das kann nur Alexej. Der ist bis Donnerstag …

Der Mann gibt den Transporteuren den Schlüssel zur Wohnung, verabredet Abholung des Klaviers am Nachmittag und Lieferung zum Haus am Samstag, wenn er wieder von der Dienstreise zurück ist.

Fünfter Akt – Wohin überhaupt?

Der Mann erhält Freitags einen Anruf, dass das Klavier zwischen 9:30 Uhr und 10 Uhr geliefert wird. Der Mann erhält eine Stunde später einen Anruf, wohin das Klavier überhaupt geleifert werden soll.

Sechster Akt – Ein Klavier, ein Klavier

Bis zehn Uhr kein Klavier. Ich begebe mich in den Keller um Regale aufzubauen und das Drama nicht weiter verfolgen zu müssen.

10:30 Uhr: Ein Klavier. Und sogar das Klavier des Mannes. Soweit man das erkennen kann, es hat nämlich einige Kriegsverletzungen. Und die Untersetzer für die Räder fehlen. Der Mann besteht darauf, dass das Klavier auf Rigipsplatten abgestellt wird. Den Dielenboden haben wir nämlich gerade erst in Eigenarbeit verlegt und sind da etwas eigen.

Der Mann bekommt eine Rechnung in die Hand gedrückt. 270 Euro wegen Hochkanttransport. Der Mann weigert sich, diese Anzunehmen und schreibt eine Mail an den Transporteur-Chef. Bis heute kam keine Antwort.

Dass der Klaviertransport kein Einzelfall war, erfuhren wir bei der Lieferung unseres 170 kg schweren Herdes. Das dauerte allerdings nur zwei Anläufe, bis der in unserer Küche stand.

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One Comment

  1. Das scheint mir Standart heutzutage zu sein. Erstmal etwas anbieten zu einem günstigen Preis, dann die Dienstleistung oder das Gewerk nicht erbringen können, und am Ende eine Rechnung mit mindestens 50% Aufschlag. Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht nur noch den vereinbarten Preis zu überweisen, wenn ich gutmütig bin ggf. 5 bis 10 % mehr, wenn wirklich etwas unvorhersehbares geschehen ist. Den Rest können die Auftragnehmer gerne einklagen. Hat aber bis heute niemand getan. Die wissen ganz genau was sie tun, und jeden Tag gibt es einen Dummen, der darauf reinfällt. Mich wundert es nicht, dass das Handwerk und die Dienstleister in Deutschland so schlecht wegkommen. Ein Hoch auf die Servicewüste Deutschland!
    So. Genug puffgeregt. Ich wünsche weiterhin viel Glück im Bauprojekt und bei der Auswahl von Handwerkern und Dienstleistern.

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