Vegetarier, die Ferkel essen

Das durchschnittliche Frucht- und Weingummi-Regal eines deutschen Supermarktes wird von zwei Gummibonbon*-Anbietern dominiert. Während die vegetarischen Produkte des einen Anbieters nur Eingeweihten bekannt sind, setzt der andere Anbieter grundsätzlich keine tierische Gelatine mehr ein. Dadurch hat sich die Auswahl für Vegetarier und Menschen, die kein Interesse an Schwein und Rind in ihren Süssigkeiten haben, deutlich vergrößert.

Körperteile von Katzen

Ich greife meist zu Euromünzen, die sind leicht säuerlich, nicht zu hart und nicht zu weich. Vor kurzem war ich jedoch auf Gummibonbon-Einkaufstour für ein vegetarisches Kleinkind. Schon nach kurzer Zeit kam ich mir vor wie an der Theke einer exotisch bestückten Metzgerei. Das wir seit Jahrzehnten Bär(ch)en (sowieso nicht vegetarisch) und Katzen (Lakritz) essen – geschenkt. Der Vegetarier von heute greift nicht nur zu Bärchen, sondern auch zu Hasen, Ferkeln, Pandas, Papageien und diversen Körperteilen von Katzen (Pfötchen und Ohren). Die Konkurrenz kredenzt der vegetarischen Kundschaft Schlümpfe. Auch der Discounter ist mittlerweile auf vegetarische Weingummi-Liebhaber eingestellt: Im Angebot sind Mäuse und Elefanten.

Esst mehr Blumen

Vielleicht erscheint es nur mir widersprüchlich, aber warum soll ein Vegetarier zu Weingummi in Form von Tieren greifen? Wieso sagt man „Wir essen keine Tiere“, setzt den Kindern aber schaumige Ferkel vor? Müsste das Obst-Sortiment nicht erweitert werden? Was ist mit Blumen? Ich plädiere für die Orchideen-Edition. Kakteen würden sich auch gut machen. Und natürlich Salat. Romana, Kopfsalat, Eisberg, Gurke … Ich sehe es schon vor mir: Eine Werbung für Weingummis mit dem Slogan „Esst mehr Salat“.

 

*“Gummibonbon“ ist der Fachbegriff für Frucht- und Weingummis. Während bei Weingummis Weinsäure eingesetzt wird, wird bei Fruchtgummis Frucht- oder Milchsäure verwendet. Verwirrend ist, das bei der Herstellung von englischem Weingummi kein Wein eingesetzt wird. Das bei der Erfindung der Haribo-Gummibärchen 1922 genutzte Gummi Arabicum wird heutzutage durch Gelatine ersetzt.

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