02.09.2010 Von Essen nach Ijmuiden – und auf dem Wasser weiter

Schottland steht an und mir wird schlecht. So schlecht, dass der Mann mich nach dem Frühstück erst einmal eine Stunde wieder ins Bett schickt. Danach geht es los, die Koffer sind gepackt, der Wagen startklar. Erstaunlicherweise passt alles hervorragend in Kofferraum und auf die Rückbank.

Das Navi versucht uns in die Irre zu führen – was ich dank seitenstarkem Roadbook verhindern kann. Wir kommen in Ijmuiden an und stellen fest, dass Benzin weitaus teurer in den Niederlanden als in Deutschland ist. War da nicht mal eine Zeit, in der man wegen Kaffee und Benzin mal eben über die Grenze gefahren ist?

Das Fährterminal finden wir auch und warten brav 15 Minuten bis fünf vor zwei. Weil ab zwei Check-in ist. Um fünf vor zwei kommt ein Mann, dem das alles egal ist und der North F*ca-Jacke und Trekking-Schuh-gestärkt an den Schalter stiefelt, um zum Auto-Check-In verwiesen zu werden. Da wollen wir auch hin – der Wagen aber nicht. Kein Starten möglich und dann beginnt es auch noch zu regnen…
Ich überlege, wie lange so eine Reiserücktrittsversicherung gültig ist. Ob man schon mal den schwiegermütterlichen Smart anfordern sollte…

Und während wir so im Wagen sitzen und durch einen Zaun auf den Parkplatz der Fähre schauen, beginnt der Check-in. Und es rollt ein Oldtimer nach dem nächsten auf den Parkplatz. Genauer: Ein Austin Healey nach dem nächsten. Und mittendrin der ein oder andere Porsche. Ich rede dem Wagen gut zu, er wolle sich doch bestimmt vor seinen Kollegen nicht blamieren. Der Mann denkt praktischer – bei einer Ralley wird auch der ein oder andere Oldtimer-Experte dabei sein.

Der Wagen startet! Und wir schaffen es auf den Parkplatz, fern von allen anderen Oldtimern, die „Commodore Class“ gebucht haben. Dafür hinter einen Hybrid Prius und an dritte Stelle der Autoschlange – denken wir.

Während wir auf das Beladen der Fähre warten, macht der Mann Franky ausfindig, der Porsche-Spezialist ist und den Tip gibt, den Wagen einfach kalt werden zu lassen und dann erst zu starten. Ich stelle fest – der Mann ist auch Porsche-Spezialist, diese Erkenntnis hatte er nämlich bereits eine Stunde zuvor.

Das Beladen beginnt. Großformatige Motorräder fahren auf, transportieren deutlich mehr Reisegepäck als wir in dem Porsche und zusätzlich ergraute Herren (obwohl die meisten Glatze tragen) mit gealterten Rocker-Babes auf dem Sozius.

Dann kommt unsere Reihe dran. Wir starten den Wagen, der sofort anspringt. Die Berliner A-Klasse vor uns dagegen nicht, die hatte nämlich die ganze Zeit Licht an. Hilfsbereit schieben die Arbeiter den Mercedes an die Seite – und winken sämtliche anderen Autos vom Parkplatz auf die Fähre. Wir lassen den Motor laufen. Vermutlich würde die Fähre nicht warten, bis der Wagen wieder abgekühlt und somit erneut startbereit ist.

Ein ergrauter Motorradfahrer beschwert sich. Ob wir nicht den Motor ausmachen könnten. Der Mann weist ihn darauf hin, dass dann alle gerne schieben könnten. Der Motorrad-Cop kommentiert „Scheiß alter Porsche“. Ich verkneife mir eine ähnlich nette Bemerkung über übergewichtige Hondafahrer, denen der Dorfpolizist auch ohne zehn „Police“-Aufnäher auf der Kutte anzusehen ist.

Dann, endlich. Wir auf die Fähre. In die Mitte zwischen zwei andere Autos, auf Deck 6. Wir finden unsere Kabine, bewandern Schiff und Ausblicke und gehen um 19 Uhr zur Schlacht am warm-kalten Buffet. Der Mann fragt mich vor Ort auch nicht mehr, ob es wirklich nötig war, einen Tisch zu reservieren. Um acht wird es leer. Und ruhig. Bevor um halb neun die nächsten Massen einfallen.

Wir gehen ins Kino. Als einzige Gäste. Die Beamershow startet ohne Werbung und Filmankündigungen. Danach geht es in die Doppelstockkabine.

Der Mann bloggt auch – die technische Sicht der Reise hier (irgendwann).

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