03.09.2010 Von Newcastle nach Edinburgh (oder: Von einem Outlet zum nächsten)

Morgens um halb acht auf der Fähre frühstücken zu gehen ist eine gute Idee, die ungefähr die Hälfte aller Passagiere haben. Man trifft sich bei Orangensaftkonzentrat und Eipulver-Rührei, Backed Beans, Sausages und kleinen süßen Teilchen.

Um neun Uhr legt die Fähre an. Neun Uhr „Dutch-Time“. Was zehn Uhr englischer Zeit und somit eine geschenkte Stunde bedeutet. Ein wenig verwirrend ist das schon – gilt dann auf der Rückfahrt english time? Fahren wir eventuell nach english time ab, an Bord ist dann aber dutch time? Wir werden es sehen…

Schnell kommen wir von der Fähre und auf englischen Boden – mitten in den ersten Kreisverkehr. Das Barbour-Outlet ist unser Ziel, schließlich ist Barbour auch eine Form der Kultur. Nach unzähligen Baustellen und Kreisverkehren stehen wir vor einer Mautstation – No Change und eine 5-Pfund-Note in meiner Hand. Anscheinend ein weit verbreitetes Problem, wir werden durchgelassen und sollen über den Gegenverkehr zum Change-Automaten. Die Fahrt dorthin gestaltet sich etwas länger, wie auch der Umtauschvorgang. Der Automat spuckt den Schein ca. 20mal aus, erst als der Mann drohend aus dem Auto steigt, bekomme ich Kleingeld.

Wir stürmen die Barbour-Zentrale (wundern uns etwas über den vollen Parkplatz, aber was wissen wir) und erhalten die Auskunft, dass das Geschäft ein paar Straßen weiter ist. Vor Ort werden dann Hemden, Jacken und Mützen erstanden. Meine Jacke ist zwar nicht im Outlet-Bereich zu haben, dennoch gut 80 Euro günstiger als in Deutschland. Dafür bekomme ich dann auch im Gegensatz zum Mann Barbour-Papiertaschen – er bekommt die rote Plastik „Barbour Sale“-Variante.

Weiter geht es nach Hawick – weitere Einkäufe stehen an. Die Fahrt ist sehr angenehm und als wir parken müssen, um den Kofferraum richtig zu schließen, befinden wir uns genau an der schottischen Grenze.

Wir kurven durch Hawick und finden nur durch Zufall (und als wir schon längst eine Bank suchen) das vorher gesuchte Pringle of Scotland-Outlet. Behilflich dabei ist ein älterer Mann, der dem Mann mit einem vor der Frontscheibe gewunkenen Gehstock und mit den Worten „Looking for Pringle?“ zeigt, wo es lang geht.

Pringle hat Mittagspause. Nicht offiziell, aber der Zettel neben den Öffnungszeiten (durchgehend) sagt „Back at 2“. Wir suchen wieder eine Bank, um endlich mehr als zwei Pfund (nach zweimal Tunnelmaut) zu haben. Danach erneut Pringle und der Erwerb einiger Pullover für den Wahnsinnspreis von 15 Pfund das Stück.

Am Fuße er Jedburgh Abbey machen wir schließlich Rast. Ein Pub mit Parkplatz ist gefunden, wir nehmen draußen im Sonnenschein Platz – und fragen uns, wie wir jetzt an Essen kommen. Ich erinner mich dunkel an den Hinweis im Reiseführer, dass man im Pub Bier an der Theke bestellt und sofort bezahlt. Was ist mit Essen? Der Mann nimmt die Sache in die Hand, geht in den Pub, kommt mit Karte (2 – 6 pm) wieder raus, bestellt drinnen, kommt wieder raus um Geld zu fordern, bezahlt drinnen, kommt mit Besteck und Getränken wieder raus. Er äußert die Vermutung, dass wir uns das Essen auch noch selber zubereiten müssen – es wird uns aber nach draußen gebracht.

Die Zeit wird knapper und um 18 Uhr sind wir in Edinburgh verabredet – mit unserer B&B-Gastgeberin, von der im Internet auch behauptet wird, sie würde ein „french Fawlty Towers“ betreiben. Also fahren wir über die landschaftlich schönere Route und bewundern die Masse der aufgestellten Blitzer. Der Mann siniert schon über mögliche Auslieferungsabkommen zwischen Schottland und Deutschland, da er garantiert in den ein oder anderen Blitzer fahren wird. Stattdessen bedrängt uns ein LKW, weil wir seiner Meinung nach zu langsam fahren.

In Edinburgh angekommen, finden wir das B&B und werden wunderbar empfangen. Neben Tips, wie wir ins Center kommen, empfiehlt Lydie uns Restaurants, weist uns auf ihre TOP 20 hin und auf ihren liebsten Pub-Singer. Nachdem wir unser schönes Zimmer bezogen und uns wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt haben, lernen wir dann noch Charlotte, die 20monatige Tochter des Hauses, und Miss, einen Bassett, kennen. Der ausschließlich weibliche deutsche Kegelclub, der die restlichen neun Gästezimmer des Hauses füllt, ist mittlerweile auch eingetroffen.

Wir suchen – und letztendlich finden – Howie’s, ein Restaurant, in welches man seinen Wein auch selber mitbringen kann. Fast alle Gäste machen davon Gebrauch und lassen die Korken knallen. Unser Essen schmeckt sehr gut, wenn auch für uns etwas ungewohnt. Der Mann hat Bratenstücke mit einer Tomatensauce, ich vegetarische (frittierte) Bällchen aus Linsen, Möhren, Blumenkohl u.a. auf Zucchini und Mangold. An Kalorienunterversorgung werden wir die nächsten zwei Wochen vermutlich nicht leiden.

Auf dem ausgedehnteren Spaziergang zurück stellt der Mann fest, dass schottische Wohngegenden aussehen, „als ob die Holländer durchgeknallt sind“. Eine Ähnlichkeit und mangelnde Vorliebe für Gardinen ist nicht zu leugnen. Wir haben unser erstes „plaster spotting“ hinter uns.

One Comment

  1. Wahrscheinlich bezieht sich Euer Kommentar über die Bauweise auf die nun auch schon 200 Jahre alte „Neustadt“. Die gleichförmige Bauweise hat wirklich etwas holländisches an sich, aber zur damaligen Zeit war das etwas ganz Tolles ! Eigentlich sollte es von oben aussehen wie die schottische (oder war es die britische ?) Fahne, aber da haben sich die Architekten erfolgreich gegen gewehrt.
    Ich habe eben auch bei A.s Blog reingeschaut, aber nach dem Anfangsartikel ( noch in heimatlichen Gefilden ) war dort leider nichts mehr zu lesen -dabei hätte ich die Reise auch gerne aus männlicher Sicht verfolgt……Ich hoffe nicht, daß der „Mann“ statt zu bloggen, dauernd schraubend unter dem Auto liegt …….Allerdings macht die Edinburgher Luft (und mehr noch die Strassen) ganz schön müde, wie wir aus eigener Erfahrung wissen!

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