06.09.2010 Scrambled eyes zum Frühstück

Fast haben wir erwartet, dass Lydie nur um einen Moment Geduld bittet, als ein Mitglied des Kegelclubs zum Frühstück „scrambled eyes for me“ bestellt. Schliesslich sind wir in Edinburgh. Für uns gibt es Granola mit Joghurt und Bananenscheiben, „a full breakfast“, wie Lydie versichert. Nachdem ich die Portion auf habe, kann ich das bestätigen.

Als erstes geht es zur Rosslyn Chapel. Während die Kapelle von außen zum einen sehr heruntergekommen, zum anderen fast gänzlich eingerüstet ist, erstrahlt sie innen schon teilweise in altem Glanz. Außerdem hatten wir das Glück, dass bei unserem Eintreffen gerade Teile der Kapelle in einer öffentlichen Führung erklärt wurden. Die Kapelle war so detailreich und interessant, dass wir uns ein Buch über sie gekauft haben. Apropos Buch: Seit dem Erscheinen von Dan Browns Buch hat sich die Besucherzahl um ein Vielfaches vermehrt. Nur so wurde die derzeitige Restaurierung überhaupt möglich.

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Eine Sage der Rosslyn Chapel birgt Stoff für einen weiteren Bestseller: Ein Steinmetzmeister hat eine der beiden Altar-Säulen gestaltet und nach der Fertigstellung eine Reise nach Italien angetreten, um sich Inspiration für die Gestaltung der zweiten Säule zu holen. Als er nach zwei Jahren zurückkehrte, musste er feststellen, dass nicht nur einer seiner Lehrlinge die andere Säule fertig gestellt hatte, sondern dass diese auch weitaus schöner war als seine. Aus Wut erschlug er den Lehrling. In der einen Ecke der Kapelle sind nun (angeblich) der Lehrling, seine trauernde Mutter und der Steinmetz zu sehen, der direkten Blick auf die Säule des Lehrlings hat. So muss er diese auf ewig anschauen.

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Auf der Weiterfahrt wird auf der Autobahn der Text „Frustration can cause accidents“ eingeblendet. Eine Wahrheit, die ich nur bestätigen kann. Frustriert davon, dass das für das Anzeigen der gefahrenen Routen bestimmte Programm seinen Dienst verweigert, habe ich anscheinend die Fotos von Freitag gelöscht. Good bye, Jedburgh Abbey.

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Auf der Suche nach Bass Rock landen wir auf einem Golfplatz. Vor der Kulisse des Bass Rock spielen hier Menschen Golf, wobei ich mich frage, wie man bei den heutigen Windstärken überhaupt in die gewünschte Richtung spielen kann.

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Weiter geht es entlang der Küste zu Tantallon Castle. Quer über eine riesige Rasenfläche werden wir geweht, um dann über die ehemalige Zugbrücke das Schloss zu erobern. Drinnen ist es nicht weniger windig und mit erneutem Blick auf den Bass Rock freue ich mich über die sinnvolle Investition in Barbour-Jacke und Mütze. Der Mann beschliesst, das Schloß zu erklimmen, ich folge ihm wegen Höhenangst nicht und verspreche ihm „auf der anderen Seite“ zu warten. Nach einer halben Stunde mache ich mir Sorgen. Die Höhe, der starke Wind und kein Mann in Sicht. Als ich dann die zum Glück nicht sehr zahlreichen Schloßräume durchforste, steht der Mann im Eingang. Er war schon nach kurzer Zeit wieder unten, hatte mich „auf der anderen Seite“ – vor der Burg gesucht, nicht gefunden, war am Auto, auf der Toilette und dann wieder zurück.

Der „pitoreske“ Hafen von Dunbar erweist sich als Reinfall. Weder bekommen wir hier das erhoffte Sandwich, noch ist ein wirklicher Hafen erkennbar. Deshalb geht es – diesmal den gesamten Coastal Trail entlang – wieder Richtung Edinburgh. Immer entlang des Wassers geht es durch kleinere Ortschaften und schliesslich nach Edinburgh.

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Da es noch früh ist, statten wir der Royal Yacht Britannia einen kurzen Besuch ab, allerdings nur von außen und durch einen Zaun. Auf dem Weg Richtung B&B legen wir noch einen Stop bei L’Aquila Bianca ein, einem Fish & Chips-Laden mit Zertifikat der Fischindustrie. Ich habe keine Ahnung, woher ich den Tip habe, aber er war genau richtig. Nach dem Essen können wir nicht mehr verstehen, wie jemand Fish & Chips ekelig finden kann, sogar die Pommes frites mit Essig schmecken gut. Morgen werden wir zum Vergleich preisgekrönte F&C essen.

Dann geht es nur noch zurück ins Hotel, den ganzen Tag Wind ist doch ziemlich anstrengend und schliesslich müssen Einträge geschrieben, Fotos und Filme überspielt, geotaggt und verschlagwortet werden. Wir sind hier nicht zum Vergnügen…

One Comment

  1. Gerührt, nicht geschüttelt…..
    In einem Land, das Haggis ( Schafsdarm gefüllt mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl )zu seiner Leibspeise erklärt, wären auch scrambled eyes vorstellbar . Nach Onkel Helmuths Erklärungen gehören sie jedoch in etwas entfernteren Ländern zum Essen für den Ehrengast !
    Und dann auch nicht gerührt! Mich hat es bei der Vorstellung schon geschüttelt !!!
    Bei den Beschreibungen der Reiseführer habe ich manchmal das Gefühl, daß oft voneinander abgeschrieben wird, ohne den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So fanden wir damals auf Skye ein Haus nicht, weil es schon 15 Jahre vorher abgebrannt war ….

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