07.09.2010 Wie die Algen auf das Auto kamen

Regen. Nur Regen. Und dazu ein nasses Auto. Durch diverse Stellen hat es hineingeregnet, so dass mein Sitz komplett nass ist. Ich bekomme ein Handtuch und eine Mülltüte, stopfe den Rest des Tages Taschentücher in diverse Ritzen, aus denen es tropft – und der Mann behauptet später, unsere Mülltüte würde aussehen, als ob wir einen Porno in dem Auto gedreht hätten. Lauter nasse Taschentücher.

Wir lassen uns trotzdem nicht beeindrucken und steuern unsere erste Station an. Lochleven Castle im Loch Leven. Das Navi bringt uns zu einem Pier, auf dem außer zwei Traktoren niemand ist. Die sollen eigentlich Rasen mähen, was aber aufgrund des starken Regens und noch stärkeren Windes nicht möglich ist. Wir warten ein paar Minuten – ein Schiff ist nicht in Sicht und das Wasser sieht auch nicht so aus, als ob ich mich darauf fortbewegen wollte. Als geht es weiter. St. Andrews, Mekka der Golfer. Es regnet. Der Turm der Cathedrale fällt also ins Wasser und als der Mann irrtümlich unseren geplanten Parkplatz verschenkt, fahren wir weiter. Wir sind sowieso beide keine Golfer.

Die Anstruther Fischbar ist sicherlich kein Geheimtip für Fish & Chips (zumindest werden dort auch Reisegruppen hingeschleppt), aber „Award winning“. Normalerweise verzehrt man das Ganze als Take away am Pier, das könnte aber heute eine nasse Angelegenheit geben. Wir gehen deshalb rein, trinken unsere im Preis inbegriffenen Getränke aus Styroporbechern und essen Fish & Chips aus Pappschalen. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch, mittlerweile essen wir die Chips sogar ganz routiniert mit Essig. Wobei dieser Essig wirklich nichts mit unserem normalen Essig zu tun hat.

Entlang der stürmischen Küste und dem noch stürmischeren Firth of Forth geht es wieder Richtung Edinburgh. An einem an der Küste gelegenen Parkplatz hat der Mann die aus seiner Sicht hervorragende Idee, das Auto vor den mindestens zwei Meter hohen Wellen zu fotografieren. Ich weigere mich auszusteigen, schließlich regnet es immer noch. So erlebe ich live, wie die Wellen nicht nur hinter dem Auto aufsteigen, sondern auch darüber schwappen, kann weiter Taschentücher in Lücken stopfen und mich freuen, wie lecker Algen, Federn, braune Gischt und würmerähnliches Getier auf den diversen Scheiben herunter tropft.

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Plötzlich reißt Richtung Edinburgh der Himmel auf. Die Sonne strahlt und in Edinburgh angekommen, sind die Straßen fast trocken. David, der Mann von Lydie, beruhigt uns, es hätte eben erst aufgehört zu regnen. Der Mann nutzt die Trockenheit und spielt gegen die bisher wenig vorhandene Bewegung mit Miss Maja. Elfengleich tanzen die beiden umeinander herum, spielen mit einer Kastanie und ich bin froh, dass ich mit Stativ filme – es wäre sicherlich sonst dank meines Lachens sehr verwackelt.

Damit auch ich etwas Bewegung bekomme, geht es in die Stadt – schließlich ist unser letzter Abend in Edinburgh. Den Weg durch den Park kennen wir jetzt und verlaufen uns nicht mehr, unser Ziel ist zunächst der Greyfriars Kirk. Dort ist die ziemlich morbide Ader der Schotten offensichtlich – wer würde in Deutschland seinen Grabstein mit Totenköpfen oder Skeletten schmücken? Die eigentliche Attraktion, die Statue von Bobby dem Hund, der lange Jahre am Grab seines Herrchens gewacht hat, findet man vor dem Friedhof. Dort werden wir dann auch Zeuge, wie eine Frau ihre Snoopy-Figur mit dem Bronzehund fotografiert.

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Dinner gibt es in der „New Town“, einem Teil der Stadt, die wir bisher kaum gesehen haben. In der Rose Street ist der Pub „The Abbortsford“, der im ersten Stock ein Restaurant beherbergt. Lange sind wir die einzigen Gäste und können neben unserem Essen der Bedienung dabei zuschauen, wie sie die Fenster poliert, Tische umrückt und sich dann mit ihrem Kollegen darüber austauscht, was er am nächsten Tag an seinem day off vorhat. Als Nachtisch empfehle ich dem Mann die Auswahl schottischer Käse, einer muss schließlich überprüfen, ob die Käse wirklich gut sind. Der Mann bestätigt dies (zumindest der Hartkäse sei hervorragend, Camembert und Blauschimmelkäse gut, aber nicht außergewöhnlich) ich verliebe mich in meinen Sticky Toffee Pudding. Den habe ich garantiert nicht zum letzten Mal gegessen.

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Auf dem Rückweg starten wir noch eine kleine Nacht-Foto-Safari und halten Edinburgh bei Night (na gut, bei 8 pm) fest.

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