08.09.2010 Ein Stern mehr – dafür mitten im Nirgendwo (Ab in die Highlands)

Im Gegensatz zu gestern beginnt der Tag relativ freundlich. Wir starten beide mit Vanilla Pancakes (deren Rezept ich mir gestern vom Küchenschrank abfotografieren durfte) und uns wird schmerzlich bewusst, dass es in den nächsten B&B vermutlich eine eher „normal schottische“ Auswahl beim Frühstück geben wird.

Nachdem alles im Wagen verstaut ist – der Koffer ist dank der Einkäufe trotz eines extra Schmutzwäschesacks wieder voll – verabschieden wir uns erst vom schwäbischen Kegelclub. Wie man sich in den paar Tagen aneinander gewöhnen kann – Lydie teilt uns mit, dass sie sich wie unsere Mutter fühle, sie beobachte, wann wir nach Hause kommen, mache unsere Zimmer sauber. Netterweise hat sie sich aber noch nicht beschwert, wie das Zimmer aussieht. Nach den Schwäbinnen kommen Lydie und David an die Reihe, beide verabschieden sich herzlich und wünschen uns eine gute Reise. Als der Wagen (mal wieder) erst nach einer halben Ewigkeit anspringt, ist Lydie enttäuscht – sie hatte gehofft, wir würden noch bleiben. Nicht etwa, weil sie nicht ausgebucht ist, lediglich für die nächsten zwei Nächte hätte sie noch ein Zimmer gehabt.

Wieder geht es zum Loch Leven, diesmal auch an die richtige Anlegestelle. Ich zeige unsere Explorer Pässe vor und der Mann beginnt, die Umgebung zu filmen. Dies führt dazu, dass der Kassierer erst einmal herauskommt, um zu fragen, was er da macht und für wen er filmt. Das wäre dann das dritte Mal, dass vermutet wird, wir würden professionell filmen.

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Nach kurzer Zeit kommt das Boot zu Insel, gefahren von einem schwer verständlichen aber freundlichen Mann und mit einer Kapazität von zwölf Personen. Wir setzen über zu dem Schloss, in dem Maria Stuart ein Jahr lang gefangen gehalten wurde, treffen dort bei strahlendem Sonnenschein ein und werden von Rebhühnern begrüßt. Diese sind unheimlich neugierig und vor allem immer auf der Suche nach Futter. Während das Schloß nicht viel hergibt, ist die Athmosphäre auf der Insel wunderbar, ruhig und friedlich. Der Mann filmt ein spontanes Video „Entspannen mit Rebhühnern“.

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Auf der Fahrt zurück bestätigt uns der Fahrer, dass am Tag vorher kein Schiffsverkehr stattgefunden hat. Irgendetwas mit Wetter und fünf Wochen, wir vermuten, es sei das schlechteste Wetter seit fünf Wochen gewesen.

In dem kleinen Hafencafe gibt es Sandwiches und Linsensuppe, bevor es weiter Richtung Norden geht. Damit der Mann nicht einschläft, suche ich ab Perth kleine kurvige Straßen aus und unterstützt von Karte und Navi gelingt eine landschaftlich schöne und fahrerisch abwechslungsreiche Tour. Während wir auf einer „Old Military Road“ herumkurven, beschließt der Mann, sein Saugnapfstativ zu nutzen. Damit wird die Kamera an der Fahrertür befestigt und weiter geht’s. Nach rund einer Viertelstunde fällt dem Mann ein, dass er die Abdeckung des Stativs auf dem Dach hat liegen lassen. Wo sie natürlich nach mehreren Beschleunigungen und einer rasanten Anfahrt nicht mehr liegt. Es geht also wieder zurück. Anhand des Videomaterials rekonstruiere ich den Abfahrtspunkt – wo die blaue Abdeckung aber nicht zu finden ist. Also geht es wieder zurück – und da liegt das dumme Ding auf meiner Seite der Straße. Da wir keine Lust haben, die Wandergruppe mit Hund ein drittes Mal aufzuscheuchen, wählen wir jetzt die befestigtere Straße.

Haben wir uns bis jetzt noch gewundert, was meine Mutter von „Schafen auf der Straße“ erzählte, erfahren wir es nun am eigenen Leib. Auf einmal stehen sie am Straßenrand. Die Straßen allerdings sind – trotz Nebenstraßen – sehr gut befestigt und meist zweispurig.

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Rund um die Berge geht es Richtung Inverness nach Daviot, dem Ort unseres B&B. dabei fahren wir auch kurz bei Balmoral Castle vorbei. Die Queen ist nicht in Sicht, allerdings hängt in der lokalen Tankstelle ein Bild der gesamten Familie von Mr. Pringles samt Prince Charles und Camilla. Was auf der Karte nicht ganz so weit aussah, stellt sich als weit vor Inverness liegend heraus. Auch das „Luxury B&B“, wie es sich nennt, könnte man sich anders vorstellen. Rachel, die Tochter des Hauses, lässt uns herein, zeigt uns unser Zimmer, bittet uns eine Frühstücksbestellung auszufüllen und empfiehlt uns auf Nachfrage das 500 Yards entfernte „The Dairy“ fürs Abendessen.

Wir wollen lieber nach Cawdor, dort soll es einen sehr netten Pub geben. Allerdings springt der Wagen nicht an. Der Running Gag wird langsam lästig. Wir lassen den Wagen in Ruhe und wandern zu „The Dairy“. Ein schönes altes Rundgebäude, anscheinend Ferienapartments, Kühe und Schafe. Aber kein Essen. Das Cafe sieht nicht nur zu aus, ist es auch. Wir wandern zurück. Der Wagen startet immer noch nicht, dafür stellt der Mann fest, dass die Verteilerkappe nicht richtig fest war. Leider sind mittlerweile die Batterien leer. Aber der Mann hat vorgesorgt: Mit einem Ladegerät bewaffnet holt er sich von Rachel die Erlaubnis, die Batterien in der Eingangshalle zu laden. Was wohl Rachels Eltern dazu sagen…

Nachdem Dinner ausfällt, bereite ich in unserer Tea Facility auf dem Zimmer zwei Tassen Cadbury Schokolade, dazu gibt es Shortbread. Gut, dass wir unser Frühstück schon für morgen 7:30 Uhr angekündigt haben…

Warum dieses B&B übrigens einen Stern mehr als das Albyn Townhouse hat, können wir nicht feststellen. Vielleicht ist es das bereitgestellte Nähset, vielleicht der kostenlose Sherry auf dem Zimmer. Von der Einrichtung her mochten wir das „französische“ B&B lieber als dieses. Auch das Frühstück sorgt dafür, dass wir uns zurück wünschen. Die Palette reicht von „Black Pudding“ über Mushrooms, Egg fried, scrambled oder poached hin zu Kipper. Keine Vanilla Pancakes oder Omelett.

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