09.09.2010 Datt is ma ’n schönes Auto (wenn es denn fährt)

Mittlerweile weiss ich auch, dass unser Auto zwei Batterien hat. Nicht etwa, weil es ein Elektroauto ist, sondern wegen der Gewichtsverteilung. Eine der beiden wurde über Nacht aufgeladen, die andere soll noch vor dem Frühstück angeklemmt werden. Der Mann serviert mir kurz darauf eine gute und eine schlechte Nachricht. Ein Teil sei abgebrochen (tatsächlich sieht es aus, als ob es schon von Macbeth persönlich eingebaut und daher den Weg alles Irdischen gegangen ist), aber es habe ein netter Zettel am Auto gehangen. „Datt is ma ’n schönes Auto“ schreibt eine bekennende Dortmunderin.

Wir gehen frühstücken und ich geniesse neben meinem Rührei aus free range Eiern Cornflakes mit wunderbaren Himbeeren. Der Toast sieht zwar selbstgebacken aus, ist es aber nicht. Die Qualität erklärt uns die Hausherrin „I buy the best bread I can get.“ Das ist ihr gelungen. Dieselbe Dame bestellt uns dann auch ein Highland Taxi. Stuart bringt uns samt einer der Batterien und dem sich zersetzenden Teil Richtung Inverness, ruft nebenbei noch seinen „Mechanic Boy“ an, wo es die besten Teile gebe und ob die auch nicht zu teuer sind. Während wir in Rekordgeschwindigkeit zwei neue Batterien und ein Masseband erstehen, wartet Stuart und bringt uns wieder zurück. Obendrauf gibts noch die Nummer des mechanic boys, den Tip, dass wir eigentlich in alle Richtungen fahren können, weil es überall schön sei und die Weisheit, dass man in Schottland nie etwas über das Wetter sagen könne, man könne bis zu vier Jahreszeiten an einem Tag erleben.

Zurück am Auto lernen wir die Dortmunderin kennen, die samt Leipziger Fernbeziehung und mit matching haircolour zu mir auftaucht. Netterweise bieten die beiden sich an, uns im schlimmsten Fall nachmittags mit nach Inverness zu nehmen.

Der Mann beweist, dass kein Schraubendreher vergebens den Weg nach Schottland angetreten hat und baut beide Batterien professionell ein. Professionell wird dies auch fotografisch dokumentiert – schliesslich ist Urlaub und da fotografiert man. Das ich eigene technische Probleme habe, merke ich erst später. Nicht nur, dass die GPS-Dokumentation (bzw. das Sichtbarmachen der Strecken) nicht funktioniert, nun streikt auch das Batterieladegerät und das GPS schaltet sich ständig ab. Einige Zeit später ist es soweit – gespannt orgelt der Mann mit dem Motor herum und – da ist er. Zur Belohnung geht es nach Inverness. Eine Stadt, die man sich getrost schenken kann. Der Mann weigert sich, auch nur eine Minute zu filmen, dass Schloss sehe aus „wie aus Disneyland“ und der Rest der Stadt wirkt auch nicht gerade einladend. Wir gehen eine Pizza essen, lassen uns erklären, dass „Pepperoni“ italienisch für „Salami“ ist, bewundern ein deutsches Ehepaar, welches trotz der Aussage „No speak english“ anhand der beiden dicken Spiegelreflexkameras erkennbar Urlaub macht. Interessant ist nur der Second Hand Bookstore in einer ehemaligen Kirche, in dem ich für den Mann ein altes Scottish Roadbook inklusive Höhenangaben erstehe. Eigentlich für Weihnachten gedacht, gebe ich es ihm doch schon jetzt. Da wir ausreichend Zeit haben, erledige ich nun auch meinen Crabtr** & Evely* Einkauf, bei dem wir mal eben 130 ml Iris-Eau-de-Toilette gewinnen. Ich 30, der Mann 100 ml. Zum Glück riecht das Zeug gut. Bei M&S erstehen wir die leckere Cadbury-Trinkschokolade, die es gestern Abend gab und Zahnpasta – eine kleine Tube reicht wohl doch nicht für zwei Wochen und zwei Personen.

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Nach drei Stunden inklusive Essen geht es wieder raus – wir brauchen Kultur. Bei der Abfahrt im Parkhaus der nächste Schock – der Wagen braucht immer noch Ewigkeiten, bis er anspringt.

Cawdor Castle, angeblich das Schloß, in dem Macbeth Duncan erschlug (tatsächlich aber über 400 Jahre zu spät gebaut wurde) – ist die Möglichkeit zu sehen, wie man als Lord so lebt. Nach dem Schloß fotografieren wir uns quer durch den Garten, in dem trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit noch vieles blüht.

Schottland - Schöner Blog(t)

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Halb sechs – nicht gerade Dinner time. Trotzdem fahren wir (nach zweimal orgeln springt der Wagen an) in die Cawdor Tavern. Dort leisten uns ein amerikanisches Ehepaar und zwei schottische Ladys Gesellschaft. Über (wie könnte es anders sein) das Mikro des Mannes kommt man ins Gespräch, tauscht Orte aus, die Ladies freuen sich, dass es uns so gut gefällt, eine der Damen hat eine Schwiegertochter aus München. Lovely. (In Inverness finden alle alles „lovely“. Vielleicht, weil die Stadt so wenig lovely ist.) Ich probiere ein Dark Island Bier von der Orkney Brewery, welches tatsächlich ein bisschen schokoladig schmeckt. Das Government empfiehlt für Frauen zwei bis drei Units davon pro Tag, pro Woche 16. Mir reicht schon das eine.

Am B&B sammeln wir die Fußmatten ein, welche ich in die Sonne zum trocknen gelegt hatte und loben das Auto, welches jetzt wieder schön anspringt. ICH bin ja der Meinung, es wollte nur ein Urlaubssouvenir. Im letzten Jahr hat er auch in der Schweiz eine neue Sitzschraube gewollt. Und als es dann jetzt die ganzen Factory Shop-Einkäufe gesehen hat…

Wie der Mann das sieht …

3 Comments

  1. Es macht schon Spass eure Erlebnisse zu verfolgen. Mich stört nur etwas eure gegenseitige Anonymisierung :). Ihr könntet ja hinterher ein kleines Schottlandbüchlein auflegen. Da müssten dann nur Fotos rein, wenn du nicht alle gelöscht hast.
    Viel Spass ( oder so ) weiterhin.

    • Dann hätten wir jetzt wohl die ganze Familie versammelt 😉
      Keine Sorge, Fotos sind nicht gelöscht (der eine Tag war ja zum Glück der Unwichtigste). Und Spaß macht es (nur Inverness nicht, aber morgen geht es ja Richtung Westküste weiter.

  2. Ich wäre wirklich dafür, das Auto umzubenennen, statt Ruid ( oder wie auch immer geschrieben ) passt meiner Meinung nach Ruidiva viel besser !
    Außerdem – welche Frau hat es schon gerne nach einer nicht gerade kleidsamen Algen-Schlamm-Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit aufzutreten ? Da wäre eine liebevolle Reinigung doch angebracht gewesen, ob das allerdings die innerliche Verjüngung (der Batterien )verhindert hätte, ist fraglich………
    Aber ein bißchen mehr Ehrfurcht vor dem hohen Alter der Dame dürfte schon sein !

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