1.9.2012: Britain is muckin‘ fagic

Wir schaffen es tatsächlich, um kurz nach sieben das vollgepackte Auto zu starten. Das ist auch gut so, weil wir es dadurch sehr entspannt durch die Niederlande, Belgien und Frankreich schaffen, bis nach Calais. Wer übrigens wegen der deutschen Spritpreise schimpft, der sollte mal einen Blick über die Grenze werfen: Die niederländischen Nachbarn tanken für 1,86 Euro den Liter Super. In Belgien ist das Tanken ein wenig günstiger als in den Niederlanden, dafür muss man in Vorkasse treten. Ich mache Erfahrungen mit einem Terminal und kann dann „Säule 10 tanke“.

Calais ist von Engländern besetzt

Spätestens ein paar Kilometer vor dem Fährterminal von Calais wird es deutlich, dass auf der Insel können keine Bewohner mehr sein können. Die stehen alle (bevorzugt mit SUVs oder Wohnwagen) in Frankreich und warten auf die Fähre. Besonders spannend der Honda, dem auf der linken Seite Beifahrer- und hintere Tür fehlen. Wozu gibt es Müllbeutel und Gaffatape.

Porsche, Kakao und Kanuten

Auch unser Wagen sorgt für neue Bekanntschaften. Nach dem Herrn, der in den 1970er auch mal einen 911er hatte, kommt der Vater von Sophie. Während die 15monatige Sophie Ausbrüche in alle Richtungen probiert, erzählt uns ihr Vater, dass sein Bruder einen 1968er 911er hat. Den hätte er aber in Notting Hill jeden Tag gefahren, so dass er ihn nun konstant reparieren müsse. Sophies Vater kennt das Ruhrgebiet, Duisburg ist eine seiner liebsten Kanustrecken. Früher war er selber aktiv, heute ist er „nur“ Mitglied des Royal Kanu Club. Außerdem arbeitet er für eine Firma aus Singapur, die Fair-Trade-Kakao einkauft. Ich lerne gerade noch, dass Bio-Schokolade immer auch Fair Trade ist und dann endet das sehr interessante Gespräch – wir werden aufs Boot gebeten.

 Mal eben nach England

Das Schiff ist voll Engländern, die alle mindestens zwei Kinder und etliche Kilo Übergewicht haben. Was sie aber nicht davon abhält, mehrere Tüten Chips zu kaufen. Der einzige gesund aussehende Engländer trägt ein Shirt „British Marathon-Series“. Die Fahrt ist kurz und das Entladen geht schnell.

London – und wir auf der Olympic Lane

London hat eine Emissions-Zone. Und weil wir so schön in (linker) Fahrt sind und das Navi meint, wir müssten diesen Weg nehmen, fahren wir einmal quer durch London. Obwohl da überall Schilder sind, dass die Emission-Zone durch Kameras überwacht wird. Ich erwarte in den nächsten Wochen britische Post und von dem Mann den Nachweis, dass unser Auto zwar wie 40jährig aussieht, aber tatsächlich ein Elektroauto ist. Während ich noch vor jeder Sirene zittere, entdecke ich die Schilder „Olympic Lane“. Netterweise dürfen diese Überholspur jetzt auch normale Menschen benutzen. Übrigens ist auch bei den Paralympics gut was los. Bei denen sind wir nämlich auch vorbei gekommen.

Unscharfe Lane…

Geld muss her

Ich habe fünf Pfund, deshalb muss Geld her. Unser B&B liegt so ruhig, dass wir zum nächsten Bankautomaten einen halbstündigen Umweg durch sehr kleine One-Way-Roads fahren müssen. Das erklärt auch die Aussage „No crime at all“ von Deborah, unserer „Herbergswirtin“. Wir bekommen ein Zimmer in einem Anbau, was wirklich toll ist und den Tipp, zum Essen The Cock Inn aufzusuchen. Der Pub liegt netterweise schräg gegenüber dem B&B.

Pub Grub rules

Im Cock Inn gibt es Bitter und Lager, das Ghostship schmeckt besonders gut und wir können im Restaurant Platz nehmen. Der Mann nimmt den „catch of the day“, worunter sich Fish and Chips verbergen. Die Bedienung kann ihm keine der angebotenen Fischsorten empfehlen, sie ist Vegetarierin.

Vegetarisch ist auch der Stilton Pie mit wilden Champignons und Kürbis, den ich bestelle. Dazu gibt es Blumenkohl, Broccoli und junge Kartoffeln. Zum reinlegen, allerdings hätte ich eine ganze Familie davon satt bekommen.

Der Mann isst den Fisch auf, weil er so lecker und die Sauce Tartar selbst gemacht ist – auch diese Portion ist eigentlich zu groß. Möchte noch jemand „schlechtes Essen“ und „England“ in einem Satz erwähnen?? Der war wohl noch nicht da….

2 Comments

  1. Hach, wie toll!
    Wir wollten eigentlich in diesem Jahr auch nach England mit dem Wagen, aber dann kam uns doch noch auf den letzten Drücker ein Haus dazwischen 😉 (Was natürlich auch toll ist!) Aber ich bin doch auch neidisch! Merk dir bloß alle (guten) B&B, damit du mir/uns für nächstes Jahr Tipps geben kannst.
    Wünsch euch noch einen tollen Urlaub!

    • England ist bei uns eigentlich nur Zwischenstation auf dem Weg nach Schottland – das kann ich absolut empfehlen (allerdings fahren wir sonst mit der Fähre direkt nach Newcastle, das ist entspannter). Ich sammel auf jeden Fall Adressen. Und wenn mir ein Haus dazwischen käme, würde ich mich auch eher für das Dach über dem Kopf entscheiden 🙂

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