10.09.2010 Krieg, Kaschmir und Whiskey

Beim Frühstück lerne ich, dass die Wolle der hier gezüchteten Schafe nur für Teppiche und als Dämmmittel genutzt werden kann. Keine Wolle für Socken. Kein Wunder, dass eine Suche nach einer lokalen schottischen Wollquelle vergeblich war.

Früh geht es los zum Culloden Battlefield. Dort, wo Mitte des 18. Jahrhunderts die Jakobiten unter Bonnie Prince Charlie niedergemetzelt wurden, zeigen nun rote und blaue Fahnen die Frontlinien an. Nach dem Besuch des Visitor Centers erhält man einen GPS-Audioguide, der über das Feld führt. Der Mann meint, wür würden „Dancing on the graves“ betreiben, Cord und Barbour gewandet, wie wir aussehen. Prompt möchte man uns einen englischen Audioguide verpassen.

Culloden Battlefield

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Als die Massen inklusive Schulklassen den Parkplatz erobern, fahren wir weiter. Sueno’s Stone, das größte piktische Denkmal, ist nicht zu finden. Dabei sollte er unübersehbar sein – schon wegen seiner Hülle aus Panzerglas. Dann geht es eben direkt nach Elgin. Die dortige Kathedrale muss einmal sehr schön gewesen sein, immernoch sind überall Verzierungen und schöne Formen erkennbar. Dort zeigt sich die schottische Art: An die Tür der Einlasskontrolle wird ein Schild gehangen „Lunch 12:30 – 13 Uhr“ und das Tor zur Kathedrale einfach geöffnet. Wer also auf kostenlosen Eintritt aus ist, sollte die Lunchzeit abpassen.

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Nächste Station ist Johnson’s, der einzige Betrieb, der Kaschmirprodukte tatsächlich in England fertigen lässt. Da es mittlerweile Mittagszeit ist (wie wir an der Kathedrale schon festgestellt haben), gehen wir erst in das angeschlossene Cafe. Dort sind sehr leckere Gerichte zu haben, auch die Kuchen lachen einen an. Ich trinke Strawberry Lemonade, tatsächlich ohne irgendwelche künstlichen Zusatzstoffe. Ich sollte schon wegen der Getränke nach Schottland ziehen …

Dann geht es in den Shop. Zunächst kämpfen wir uns durch die Damenabteilung, in der ich fündig werde. Der Mann in der Herrenabteilung auch, da 400 Pfund aber doch etwas viel erscheinen, bleibt das Kaschmirjacket im Laden. Dafür gibt der Foodstore etwas für ihn her. Schottische und englische Produkte, leckere Marmeladen und Chutneys, selbstverständlich Shortbread, ich kaufe die für die Vanilla Pancakes unerlässliche Vanilla Essenz, Tee, und, und, und. Die Produktpalette ist erstaunlich – und da soll noch mal einer erzählen, in England könnte man nicht vernünftig essen. Wir können das nicht bestätigen.

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Mit Kaschmir bepackt, fahren wir Strathisla an. Die älteste (legale) Destillerie der Highlands hat nur bis 16 Uhr geöffnet und wir erwischen gerade noch die letzte Führung. Danach können wir fast selber anfangen zu brennen – oder Bohrungen durchführen. Der fertige Whiskey der Strathisla-Destillerie wird nämlich über ein unterirdisches System in eine naheliegende Destillerie zur Abfüllung gepumpt. Interessant ist auch eines der Warehouses, in welchem neben verschiedenen Whiskeysorten (die Destillerien lagen untereinender ein, damit bei einem Brand oder ähnlichem nicht sämtliche Whiskeys einer Destillerie zerstört werden, eine Art Absicherung) auch diverse Specials lagern. Unter anderem ein Faß für den zukünftigen König von England. Das Tasting zeigt mir mal wieder, dass Whiskey und ich nicht zusammen passen. Obwohl wir fachmännisch angewiesen werden, den Whiskey auf jeden Fall mitt Wasser zu verdünnen, kann ich weder dem Chivas Regal 12 Jahre, noch dem Strathisla Single Malt 12 Jahre viel abgewinnen. Zumindest kenne ich jetzt den Unterschied zwischen Single Malt und Blend und weiss von der Geschichte der Chivas Brüder, die bereits Queen Victoria beliefert haben.

Zurück geht es Richtung B&B, wobei wir dem „Dairy“ eine zweite Chance geben. Diesmal ist es geöfffnet und auch sehr gut gefüllt. Anscheinend führt die gesamte umliegende Bevölkerung Mutti Freitags hierhin aus. Der Raum hat eher den Charme einer Jugendherberge, das Steak mit den obligatorischen Pommes ist jedoch in Ordnung. Der Renner scheint der Krabbencocktail als Vorspeise zu sein – ist das nicht eher 80er Jahre?

Zurück im B&B wundern wir uns, warum in unserem Zimmer Licht brennt und stellen dann fest, dass Rachel uns auch Kerzen angezündet hat. Gut, dass wir nicht, wie wir erst vorhatten, den Wagen abgestellt haben und zu Fuß zum Dairy sind.

Bei der weiteren Reiseplanung stellen wir fest, dass es nicht ganz so einfach ist, eine Unterkunft in Glasgow zu bekommen, wie gedacht. Schliesslich soll es nicht zu außerhalb sein, der Wagen muss sicher abgestellt werden und ein Vermögen wollen wir auch nicht ausgeben. Schließlich finden wir eine Unterkunft, die hoffentlich hält, was sie verspricht.

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