Achter Tag: Von oben sind die Highlands nur halb so beeindruckend (Schottland 2012)

Hauptziel für heute ist die Seilbahn auf den Cairngorm. Und wenn man dann schon einmal so um den Berg herum unterwegs ist, dann kann man auch das ein oder andere Schloss besuchen.

Geheimtipp, der ruhig geheim bleiben kann

Verheißungsvoll hört sich die Beschreibung von Cargorff Castle im Reiseführer an, einsam sei es und der Geist der Hausherrin spuke noch heute. Die hatte sich nämlich geweigert, das Haus in der Abwesenheit ihres Mannes aufzugeben und wurde zum Dank ermordet. Tatsächlich ist das Castle ein hässlicher Kasten und wirkt nur durch die darum grasenden Schafe malerisch. Ein wenig deplatziert wirkt der Landrover, in dem zwei Männer sitzen, die ich scherzhaft als „Geheimdienst“ tituliere. Ganz falsch kann ich nicht liegen, das Funkgerät des Wagens verkündet Straßenmeldungen und einer der beiden erzählt eine launige Geschichte, wie er vor lauter Langeweile an Balmoral seinen Wagen poliert hat und plötzlich die Queen kam.

Endlich Highland-Rinder

Vor zwei Jahren habe ich kein einziges Highland-Rind gesehen, geschweige denn ein gestreichelt, wie meine Mutter. Das galt es nachzuholen und deshalb musste der Mann beim Anblick einer kleinen Herde sofort anhalten. Eine kleine Kuh mit niedlichen Puschelohren fand mich zwar ganz interessant, wollte aber nicht näher kommen. Und dem Kollegen mit den imposanten Hörnern wollte ich nicht näher kommen….

Hoch hinauf auf den Cairngorm

Für rund zehn Pfund spart man sich sowohl den Auf- als auch den Abstieg auf den Cairngorm und kann gemütlich acht Minuten mit einer Schienenbahn auf den Gipfel fahren. Dort werden Besucher erst durch eine Ausstellung und dann durch den Shop geschleust, bis sie auf der Viewing Terrace Ausblick erhalten. Von oben sehen die Highlands jedoch deutlich weniger spektakulär aus, als bei der Durchfahrt.

In der Seilbahn wird man bei Auf- und Abfahrt mit Informationen versorgt und wir erfahren unter anderem, warum in den Highlands so wenig Bäume sind: Die wachsen entweder gar nicht, oder so langsam, dass sie auch nach Jahren noch sehr klein sind.

Highland-Kirche der schottischen Familie

In Crathie ist die Polizei-Dichte noch höher, schließlich ist Balmoral Castle nur eine halbe Meile entfernt. Wir wandern einmal um Crathie Kirk, die Kirche, die die königliche Familie während ihrer Ferien in den Highlands besucht und in der Princess Anne ihren zweiten Mann heiratete. Um uns herum fährt ein Polizeiwagen seine Kreise, damit wir ja nicht eine Bombe vor der Sonntagsmesse einschmuggeln.

Dann geht es über die Straße, zum Friedhof von Crathie. Auf dem liegen eine ganze Reihe von königlichen Bediensteten, unter anderem John Brown, persönlicher Diener von Queen Victoria, die von bösen Zungen auch schon mal „Mrs. Brown“ genannt wurde: „Friend more than Servant, Loyal, Truthful, Brave Self less than Duty, even to the Grave“. Zugegeben: Wir finden den Stein nicht. Die Informationstafel am schwer zu öffnenden Eingang ist fast verwittert und gibt nicht einmal eine Richtung an.

Tier-Recycling im Gathering Place

Den angeblich letzten Tisch reservieren wir im „The Gathering Place„, was sich selbst als Bistro bezeichnet. Zunächst durchlaufen wir auch hier die Platzierung in der Eckbank, werden jedoch nach der Bestellung schnell an einen Tisch gebracht. Der Mann bekommt als Vorspeise homemade chicken liver pate, die auch mir sehr gut schmeckt.

Als Hauptspeise für den Mann einen Pie, der scheinbar sämtliche Tiere reycelt, die wir überfahren auf schottischen Straßen ausmachen konnten: Fasan, Kaninchen und Wildtaube, gekocht in Ale und Wein.

Ich entscheide mich lieber für die schottische Hähnchenbrust auf Kartoffel-Linsen-Curry.

Wir sind beide sehr zufrieden, auch wenn die Bedienung ziemlich gewöhnungsbedürftig ist.

Schlechtes Wetter in Braemar führte zu berühmtem Roman

Auf dem Rückweg zum B&B fällt uns noch eine Tafel an einem relativ unbewohnt aussehenden Haus auf. Dort hat Robert Louis Stevenson während eines Urlaubs den Roman „Die Schatzinsel“ geschrieben.

 

6 Comments

  1. Das war aber nun nicht nötig – bloß weil ich angedeutet hatte, daß mir bei jedem Bild das Wasser im Mund zusammenläuft, jetzt alle zu streichen und nur den leeren (Bilder-) Rahmen zu präsentieren !
    Einzig und allein Cargoff Castle ist zu sehen, wahrscheinlich weil der Geheimdienst nur dieses Bild freigegeben hat ………

  2. Man muß nur meckern – kaum habe ich den Kommentar abgeschickt, hat der Geheimdienst die Sperrung aufgehoben und alle Bilder sind nun zu sehen und üben die schon genannte Wirkung aus !
    Die Highland-Kuh wollte sicher nicht näher kommen, weil ihre Frisur nicht richtig saß, so kann man leider nicht die bewundernswert langen Wimpern sehen, die zu dem seelenvollen Blick nicht unerheblich beitragen.

  3. Hehe… Oh je, bei Cargorff Castle hätte ich euch vorwarnen können. Wir haben es auch aufgrund der Beschreibung im Reiseführer aufgesucht und hielten es von weitem erst für ein Getreidesilo… ^-^

    Dann lieber Delfine im Moray Firth angucken…

    • @ Nadine: Delfine haben wir auch nicht gesehen… 🙁 Aber immerhin lag Cargorff Castle ja eh auf dem Weg.
      @Anne: So süße Ohren und dann noch lange Wimpern? Ich möchte eine Highland-Kuh als Haustier!

  4. Habe von Peter gesagt bekommen, daß ich schon wieder die Jersey – Kuh mit der Highland – Kuh verwechselt habe ! Die Jersey-Kuh ist die mit den tollen Wimpern ……

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