Gedenkstätte Hohenschönhausen

Bevor Hohenschönhausen die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit (Stasi) der DDR wurde, war es eine Großküche. 1945 richtete das sowjetische NKD ein Speziallager ein, in dem u.a. Heinrich George saß. 1946/47 mussten die Häftlinge in den Kellern der ehemaligen Großküche fensterlose Zellen errichten – das U-Boot.

Das sowjetische Kellergefängnis wurde 1951 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übernommen und als Untersuchungsgefängnis genutzt. In den 1950er Jahren waren hier über 11.000 Menschen inhaftiert, die dem kommunistischen Regime im Weg standen. Wie unter anderem die Fälle Walter Linse und Karl Wilhelm Fricke zeigen, handelte es sich dabei nicht nur um unliebsame DDR-Bürger, sondern auch um aus dem Westen entführte Personen.

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Zwischen 1958 und 1960 wurde ein Neubau mit 100 Zellen und 120 Verhörräumen von den Häftlingen des banchbarten Arbeitslagers errichtet. Mit diesem Neubau hatte auch die physische Folter ein Ende, sie wurde durch psychische ersetzt.

1990 wurde die Haftanstalt geschlossen, 1994 wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Besucht werden kann diese nur im Rahmen von Führungen, die meist von ehemaligen Häftlingen (in unserem Fall die Tochter eines ehemaligen Häftlings) geleitet werden. 

Der Besuch der Gedenkstätte beginnt mit einem Film über die Geschichte des Ortes. Anschliessend werden die Gruppen auf das Gelände und in das U-Boot geführt. Dort war es immer feucht, im Winter so kalt, dass die Wände von Eis bedeckt waren und vor allem dunkel (der helle Anstrich wurde erst gemacht, als das U-Boot nur noch als Lager genutzt wurde).

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Wieder aus dem Loch heraus geht es in den Neubau. Der ist zwar deutlich heller, führt aber trotzdem zu Beklemmungen.

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Während des Betriebs sorgte übrigens ein Ampelsystem dafür, dass die Häftlinge sich nicht begegneten.

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Die Führung endet in einem der Verhörräume, in denen der Häftling während des Verhörs auf einem Holzschemel neben der Tür sitzen musste.

tuer verhoerraum

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Bis hier hin habe ich viel gehört, wie schnell man in Hohenschönhausen landen konnte, von physischer und psychischer Folter und wie die Häftlinge behandelt und oft gebrochen wurden. Ich bin froh, dass ich „einfach so“ aus dem großen Tor herausspazieren kann.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Genslerstraße 66, 13055 Berlin

Führungen (5 Euro)
Montag bis Freitag 11.00 Uhr, 13.00 Uhr und 15.00 Uhr
Samstag/Sonntag/Feiertage stündlich zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr

One Comment

  1. Ich war auch schon einmal dort.
    Ganz gruselig. Unsere Führung wurde tatsächlich von einem ehemaligen Häftling gehalten und das, was er erzählte, hat mich am meisten beeindruckt. Nicht nur die Berichte über seinen Aufenthalt, sondern vor allem auch die Tatsache, dass er sich dort überhaupt aufhalten kann, finde ich sehr beeindruckend.

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