Goodwood Revival 2014

Wenn ich im Urlaub freiwillig morgens um sechs aufstehe, um mich in ein Kleid zu werfen und mir meterlange falsche Wimpern anzukleben, dann muss schon etwas Besonderes anstehen. Zum Beispiel das „Goodwood Revival“.

Auto- und Modenschau

Seit 1998 lädt der Earl of March zu einer Zeitreise ein: Auf dem Gelände des Revivals und auf der Rennstrecke sind nur Fahrzeuge bis Baujahr 1966 zugelassen. Entsprechend kleiden sich auch die meisten Besucher und bieten eine Modenschau der 20er bis 70er Jahre.

Als wir um sieben Uhr, passend zum Baujahr unseres Autos in 60er Jahre-Outfits gewandet, die Küche unseres B&Bs betreten, ist unsere Gastgeberin Emma noch sehr verschlafen, hat uns aber einen wunderbaren kleinen Frühstücks-Picknickkorb gepackt. Kaffee, Sandwiches und Bananen warten auf uns, aber erst einmal müssen wir ankommen.

Endlich Frühstück ...

Endlich Frühstück …

Dieser Weg wird kein leichter sein

Irgendwo auf der äußerst unübersichtlichen Informationsseite von Goodwood habe ich gelesen, dass die Zufahrt zu unserem reservierten Parkplatz um 7:45 Uhr geschlossen wird. Deshalb sind wir so früh dran. Der Mann muss außerdem die bestellten Karten abholen: Unsere sind nämlich nie per Post bei uns angekommen (wie wir später herausfinden, wurden sie ohne jegliche Straße verschickt, nur Vor- und Nachname des Mannes und Essen) und angeblich am Eingang hinterlegt.

„Das kann nicht richtig sein“, sind wir uns einig, als wir auf einen Parkplatz gewunken werden. Zur Vorsicht sage ich dem Ordner, dass wir Karten für das Innenfeld des Rennkreises haben. Jaja, parken sie hier. Der Mann parkt erst einmal und macht sich auf die Suche nach unseren Karten und Informationen.

Lediglich eine halbe Stunde später kommt er mit irgendwelchen Zetteln und der Info, dass wir NATÜRLICH hier nicht richtig sind. Wir fahren also dem Strom entgegen, ignorieren Ordner, die uns wieder zurück weisen wollen und kommen irgendwann an Tor 11 an. Da sind wir richtig, da werden wir auch – „another late car“ – auf unseren Parkplatz gelassen.

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Zettel statt Badges

Ich stelle fest, dass alle Menschen kleine Badges tragen, mit denen sie in bestimmte Bereiche kommen. Wir haben auch Karten für Zuschauertribünen gekauft, von denen man die Rennen besser sehen kann, aber keine Badges. Nur einen Zettel, auf dem steht, dass wir Zuschauertribünen-Karten haben. Also wandern wir über das Rollfeld, durch einen Teil der aufgebauten „Goodwood Revival-Stadt“ bis zum Ticket-Office. Dort erfahren wir, dass wir keine Badges bekommen, weil die ja in der Post verloren gegangen sind. Der Zettel sei unser Ausweis. Nicht logisch, aber gut. Zwei Ecken weiter bekommen wir dann auch unsere Programme. Effizient ist das alles nicht.

Nach nur anderthalb Stunden haben wir das Auto geparkt, alle Unterlagen zusammen und können uns langsam orientieren. Ganz schön gross, das Ganze. Das stellen wir besonders dann fest, wenn wir schon fast an unserem Auto sind und dann erfahren, dass das Rollfeld wegen Flugvorführungen geschlossen ist und wir wieder zurück gehen müssen.

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Viel zu sehen

Innerhalb des Rennkreises befinden sich (neben unter anderem unserem Auto) die Armeefahrzeuge und viele Flugzeuge.

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Auch das Fahrerlager ist im Rennkreis. Zum Betreten braucht man nicht nur eine Extra-Karte, sondern auch ein angemessenes Outfit. Herren müssen mindestens ein Halstuch, besser Krawatte oder Fliege tragen. Was an dem Outfit dieser Dame als angemessen angesehen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis …

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Außerhalb des Rennkreises sind verschiedene Gebäude errichtet worden, unter anderem ein Tesco-Supermarkt. In dem kann man viele alte Verpackungen bewundern, leider nur als Ausstellungsstücke. Im letzten Gang findet man dann „neue“ Sandwiches usw..

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Ich habe schnell ein zu meinem Kleid passendes Auto gefunden – leider wollte Philipp Salm von Porsche Klassik die Schlüssel nicht für eine Probefahrt herausrücken. Ich hätte auch nur eine langsame Runde mit dem 904 über die Bahn gedreht …

Wer noch kein Outfit hat, kann es auch vor Ort zusammenstellen. Second-Hand-Geschäfte, Friseure, Barbiere und und und – man könnte den ganzen Tag mit Einkaufen verbringen. Noch schöner ist es aber, die anderen Menschen zu beobachten. Interessanterweise habe ich noch auf keinem Oldtimer-Treffen so wenig Autos angeschaut und fotografiert wie beim Goodwood Revival.

Menschen, nicht Autos

Das macht das Revival aber auch aus – hier interessiert (im Gegensatz zu deutschen Oldtimer-Treffen) niemanden, was man für ein Auto hat. Das wird nämlich abgestellt, meist sogar auf dem Pre1972-Parkplatz außerhalb des Geländes, und los gehts. Schliesslich gilt es, das Outfit zu präsentieren.

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Auf den Zweirädern abzuhängen

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oder im Veuve Cliquot-Zelt eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.

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Vielleicht auch einfach ein kleines Päuschen am Brighton Pier einzulegen …

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Goodwood Revival 2014 - Schöner Blog(t)Oder bei einem Plastikglas Champagner mit den Arbeitskolleginnen zu plaudern.

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Der Herr im Militäroutfit ist übrigens kein Einzelfall. „Uniformen bevorzugt“ scheint das Motto bei vielen zu sein. Sehr authentisch das Paar, bei dem er als verwundeter Soldat und sie als Militärkrankenschwester verkleidet war. Wer´s mag …

An das eigene Fahrzeug führt die Besucher nur eines zurück: Das mittägliche Picknick. Schliesslich befinden sich Campingstühle, Klapptisch, Teekocher und Kühltasche im Kofferraum. Neben dem Reserverad.

So ein bisschen geht es aber doch um Autos. Schliesslich starten genug Oldtimer bei den Rennen des Goodwood Revival.

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Das dabei auch das ein oder andere Fahrzeug zu Bruch geht, scheinen die Besitzer der teilweise Millionenschweren Vierräder verschmerzen zu können.

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Deutlich weniger Blechschaden gibt es bei den Tretauto-Rennen, dafür einen Belohnungs-Lolli am Ziel und vielleicht eine fesche Biene als Beifahrerin.

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Die älteren Herren strampeln dagegen weniger und fachsimpeln mehr.

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You will love it

Nach einem holprigen Start haben wir den Tag sehr genossen und hatten viel Spaß – das Revival hat schon eine ganz besondere Atmosphäre. Kein Wunder, dass alle (Engländer), denen wir vorher von unserem Besuch erzählt haben, uns schon vorausgesagt haben, dass es toll wird. Jedes Jahr müsste ich jetzt nicht hin, aber einmal Goodwood-Luft schnuppern lohnt sich in jedem Fall.

Tipps für zukünftige Goodwood Revival-Besucher

Falls jemand eines der nächsten Goodwood Revival besuchen möchte, einige Tipps:

  • Grandstand-Karten (Zuschauertribüne) braucht man nicht. Erst Recht nicht Stehplätze im Grandstand. Man kann auch von kostenlosen Stellen aus sehr gut sehen.
  • Ohrstöpsel können nicht schaden.
  • Auf dem Rollfeld ist es ganz schön windig. Das führt dazu, dass einem kalt wird, dass man aber auch nicht merkt, wenn einem die Sonne einen Sonnenbrand verpasst.
  • Essen und Trinken gibt es auf dem Gelände genug – Sitzplätze dagegen nicht. Einfach eine Picknick-Decke mitnehmen, machen die Engländer genauso. Noch besser ist natürlich gleich ein ganzes Picknick.
  • Bequeme Schuhe. Man muss viel laufen.
  • Das Traktor-Taxi entlang des Rings spart Lauferei. Allerdings ist es ab 5 Uhr völlig überfüllt.
  • Ein Tag reicht eigentlich nicht. Wir haben viel gesehen, waren aber nicht auf den Plätzen außerhalb des Revivals, wo viele tolle Autos stehen. Auch Stonehenge haben wir verpasst, keine Ahnung, wo das war.

Bett und Frühstück?

Wer eine Unterkunft sucht, dem können wir unser hervorragendes B&B in Fernhurst inklusive traumhaftem Garten und nettem Hund empfehlen.

Hungrig?

Wer vor oder nach dem Goodwood Revival noch hungrig ist, der sollte den „Duke of Cumberland“ aufsuchen (allerdings nicht ohne Reservierung). Im hinteren Teil des Pubs kann man hervorragend jenseits von Pub Grub essen.

Wem es mehr nach indischem Essen gelüstet, dem kann auch geholfen werden. Im „Banyan“ haben wir sehr gut gegessen und hatten ein nettes Gespräch mit dem Restaurant-Manager.

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