Homestories – Die unendliche Suche nach einem Haus – Teil 2

Wie man ein Haus mit Hilfe einer Schildkröte verkauft, wissen wir jetzt (hier geht es zu Teil 1). Wie man aber ein Haus kauft bzw. ein geeignetes Haus zum kaufen überhaupt findet, anscheinend nicht.

Sagen wir es mal so: Ich bin mit Nympensittichen aufgewachsen, würde aber garantiert nicht ein Haus kaufen, weil einer dort wohnt. Und erst recht würde ich nicht darauf bestehen, dass er dort bleibt.

Die Zeche

Eine eigene Zeche. Inklusive Stollen und Zechengeist! Wir lächeln milde, wenn wir korrigiert werden, dass wir wohl ein Zechenhaus meinen. Nein, wir meinen eine Zeche, die unter Denkmalschutz steht. Die Außenbesichtigung zeigt: Hier hat jemand kräftig gewerkelt, bevor das Ding unter Denkmalschutz gestellt wurde. Und zwar nicht denkmalgerecht.

Wir rechnen und erstellen nebenbei ein Marketingkonzept – Geist und Zeche werden vermarktet, befreundete Bäcker und bekannte Schnapsproduzenten mit eingeplant. Die Zeit haben wir, der Makler lässt nämlich vier Wochen bis zum Besichtigungstermin verstreichen.

Nach kürzester Zeit ist uns klar, dass wir in der Zeche richtig Kohle versenken könnten. Der Keller ist nicht feucht, sondern fast schon als Schwimmbad zu benutzen. Der Eigentümer hat nicht nur außen gewerkelt, sondern auch kräftig innen. Teilweise aber auch nicht: Als ich mich über den welligen Boden wundere, teilt er mir mit, dass sein Vater damals Pappe unter den Teppich gelegt hat. Und wir reden von einem Herren in den 70er Jahren. Dem Sohn, nicht dem Vater. Unterm Dach sieht es nur oberflächlich besser aus, die Dachbalken sind Holzwurmzerfressen und mit dubiosen Schraubenkonstruktionen geflickt, unter den Dielenbrettern schauen Altkleider hervor.

Wir wünschen dem Makler viel Glück. Aus lauter Dankbarkeit schickt er dem Mann nun ständig Exposes von Reihenhäusern. Wir hatten ihm gesagt, dass wir auf keinen Fall ein Reihenhaus möchten …

139 Quadratmeter Sammelsurium

Das Expose der Bank ist so vielversprechend, dass wir nicht nur einen Termin zur Besichtigung vereinbaren, sondern auch gleich einen Termin mit unserer Bank. Die Finanzierung steht also quasi schon, als ich das Haus zum ersten Mal sehe. Der Mann ist auf Dienstreise, die Entscheidung liegt bei mir, aber der Mann hat Erfahrung darin, Dinge unbesehen zu kaufen. Ein Oldtimer kam unbesehen zu ihm aus Amerika und entpuppte sich als Schätzchen.

Viel los bei der Besichtigung, drei Mitarbeiter der Immobilienabteilung sind vor Ort und führen zeit- und raumversetzt Interessenten. Bei meiner Ankunft seit drei Stunden. Interessant, dass ich angeblich den zweiten Termin bekommen habe. Egal, von außen ist der Eindruck ganz in Ordnung (wobei „ganz in Ordnung“ nicht hervorragend ist).

Im Erdgeschoss fühle ich mich ziemlich eingesperrt, in den ehemaligen Büros ist es voll, voll, voll, überall steht und liegt etwas. Die schönen Holzleisten im Art Deco-Bau sind unprofessionell übergepinselt und auch sonst ist das hier nicht gerade ein Fall für „Schöner Wohnen“. Die Herrschaften sammeln. Alles, was in ihren Augen schön ist, ob Büroausstattung oder alten Reisekoffer, ob Tigerkleid auf Schaufensterpuppe oder Tafelwand. Aber egal, mit den derzeitigen Besitzern verschwinden hoffentlich auch deren „Schätze“.

Die derzeitigen Besitzer befinden sich in der Küche in der ersten Etage und kommentieren fleißig eine RTL II-Sendung. Der mir zugeteilte Bank-Mitarbeiter und ich müssen warten, andere Interessenten befinden sich auf dem Dachboden. Derweil unterhalten wir uns über das schöne Fischgrat-Parkett in der ersten Etage (soweit man das sehen kann), die Raumhöhe (3 Meter) und Zementfliesen im Erdgeschoss (aus dem Baujahr!). Die Dame des Hauses sieht meine Kamera und untersagt mir das Fotografieren. Ich versichere ihr, dass ich weder sie noch ihre Einrichtung fotografieren werde, nur eben signifikante Punkte, wie das Parkett. Oder das Loch im Dachgeschoss. Das will sie nicht. Ich verspreche ihr, dann eben nichts zu fotografieren.

Wir warten weiter. Drei Minuten später untersagt sie mir das Fotografieren. Ich fühle mich wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“ und versichere ihr, dass ich nichts fotografiere. Sie sagt mir, dass ich das Haus ja nicht kaufen müsse. Ich sage, dass ich nicht fotografiere. Sie sagt, dass sie auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen kann. Ich sage, dass ich nicht fotografiere. Sie verlangt Respekt vor ihrer Entscheidung. Ich sage …

Die Tür zum Dachboden aka der Natursauna geht auf und wir können hoch. Für den Zustand, in dem sich der befindet, brauche ich gar keine Kamera. Das ist demolierter Rohbau. Auch wegen der herumliegenden Gasflasche möchte ich dann schnell wieder runter.

Die Besichtigung des Raumes, der unter dem in den Dachboden gedengelten Loch liegt, wurde übrigens von den Eigentümern untersagt. Und bei dem Eindruck, den die beiden hinterlassen haben, sind der Mann und ich uns nicht wirklich sicher, in welcher Qualität die Modernisierungsarbeiten in den 1990ern durchgeführt wurden. Den offensichtlich feuchten Kellersockel mal außer acht gelassen.

Man könnte, wenn man ausreichend Mittel hätte. Dann hätte man sicherlich anschließend ein Traumhaus. Aber die Million suchen wir leider bisher auf unserem Konto vergeblich.

Wir suchen also immer noch. Nichts Großes aber möglichst alleinstehend und möglichst mit einer Doppelgarage oder etwas vergleichbarem. Der Mann möchte gerne an Autos werkeln und Klavier spielen können.

Richtig gut gefallen hat es uns in Stadtwald und Haarzopf. Wir schauen uns aber generell im Essener Süden um, auch Mülheim-Raadt, -Saarn und -Heißen sind eine Option.

Wer was weiß oder jemanden kennt, der jemanden kennt – bitte Mail an schoener(a)schoenerblog.de

Wir haben keine Angst vor Häusern, an denen „noch etwas gemacht werden“ muss. Selbstverständlich auch nicht vor Häusern, an denen nichts mehr gemacht werden muss.

One Comment

  1. Liebe Sandra,
    oh man….das kennen wir sehr sehr gut! Schrecklich, aber auch wir haben 3 Jahre gebraucht, um das schöne Häuschen zu finden. Wir wünschen viel Glück!

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