Kurztrip nach Marrakesch

Für drei Tage nach Marrakesch – eigentlich eine ziemlich verrückte Idee. Ich hab es trotzdem gemacht und bin mit zwei reizenden Begleiterinnen in der „schönsten Stadt Marokkos“ gewesen.

Formalitäten

Für eine Einreise nach Marokko benötigt der deutsche Staatsbürger einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Und einen Stift. Der wird nämlich spätestens dann gebraucht, wenn ein Einreiseformular ausgefüllt werden muss. Das gibt es entweder im Flugzeug, oder bei Betreten des Terminals an den Säulen. Bei der Ausreise muss übrigens noch einmal fast das selbe Formular ausgefüllt werden, sonst wird man gar nicht zur Passkontrolle durchgelassen.

Auf nach Marrakesch

Während von der Schweiz aus Easyjet ohne Zwischenstop und für einen sehr günstigen Kurs nach Marrakesch fliegt, ist es aus Deutschland komplizierter – und teurer. Iberia fliegt ab Düsseldorf und verhilft einem zu einem McIberica* in Madrid (zu weiteren Informationen zu Flügen mit Iberia sei der Post von Herrn Herm empfohlen.). Die zwei Stunden Aufenthalt sind aber schnell vorbei, weil man erst einmal das Terminal wechseln (ca. 25 Minuten) und dann das richtige Gate erraten muss.

*einer wirklich sehr schmackhaften Burgerkreation vom güldenen M

Money, money

Die Ein- und Ausfuhr von Dirham ist nicht erlaubt (wobei bis zu 1.000 Dirham meist toleriert werden). Macht aber nichts, weil direkt an der Gepäckabfertigung ein Wechselschalter ist und der Kurs (relativ) gleich bei allen Unternehmen ist. Vor dem Abflug sollten die restlichen Dirham nach dem Einchecken (vor der Passkontrolle) wieder zurück getauscht werden. Während der Reise kann man an einer Vielzahl Geldautomaten Geld abheben. Wer Gebühren sparen möchte, kann auch Bargeld tauschen, sogar an vielen Automaten.

Hotel oder Riad

Neben vielen Hotels (zum Beispiel der Luxusherberge Mamoudia) und einem Club Med gibt es in Marrakesch Riads. Diese traditionellen marrokanischen Häuser haben im Inneren einen Garten oder Innenhof – Riad leitet sich vom arabischen ryad (=Garten) ab.

Ich habe im Riad Shama gewohnt, welches zwar sehr schön ist und über einen eigenen Hammam verfügte, aber doch ziemlich weit vom Platz Djemaa el Fna und anderen Sehenswürdigkeiten entfernt.

Für den Transfer vom Flughafen ins Hotel nehmen Mutige den Bus, Französischsprechende ein Taxi und ich den Hoteltransfer. Ist zwar deutlich teurer als die anderen Möglichkeiten, spart aber Nerven.

Selber fahren?

Ganz klar: Nein. Weder mit Auto noch mit Roller sollte man sich in Marrakesch als Mitteuropäer fortbewegen. Zu eng, zu durcheinander und zu hektisch – schliesslich möchte man keinen Eselskarren auf dem Gewissen haben. Die sieht man auf Marrakeschs Straße ebenso wie Kalesch (Pferdekutsche), Roller oder Autos.

 Zum Platz?

Die wohl am meisten gefragte Frage bzw. direkt die Antwort ist „Zum Platz(?)“. Damit ist der Djemaa el Fna gemeint, „la place“. Der befindet sich in der Medina, der Altstadt von Marrakesch. Rund um die Medina führt die Stadtmauer, durchbrochen von mehreren Stadttoren.

Vom Platz Djemaa el Fnar habe ich aus gutem Grund kein Tages-Foto – auf dem Platz befinden sich tagsüber Schlangenbeschwörer, Männer mit Affen, Wasserträger und allerlei andere Menschen, die gerne für Fotos bezahlt werden möchten. Angemessen sind wohl 5 Dirham, ich hatte aber Angst, dass meine DSLR hinterher weg ist. Abends verwandelt er sich in eine Fressmeile:

Irrgarten oder Shopping-Paradies?

Vom „Platz“ aus gelangt man in die Souks, ein noch engeres Gassengewirr als der Rest der Medina, meist mit Latten zum Schutz gegen die Sonne überdacht und mit vielen käuflichen Dingen bestückt – die Shopping Mall Marrakeschs. In den Souks herrscht eigentlich Moped-Verbot, tatsächlich befinden sich aber neben vielen Menschen und einigen Eselskarren auch eine Menge Zweiräder dort. Am besten immer ziemlich nah am Rand der Gasse laufen.

Sich in den Souks zurechtzufinden, ist eine wahre Kunst. Ich bin zwei Stunden darin herumgeirrt und immer wieder an dern selben Stellen herausgekommen, obwohl ich andere Richtungen eingeschlagen habe. Sehr Verzweifelte können sich (gegen ein paar Dirham) führen lassen, allerdings wird diese Führung mit ziemlicher Sicherheit an den Läden der gesamten Verwandtschaft vorbei gehen.

Fotografieren

Auch, wenn die Farben und Menschen es einem schwer machen, nicht überall die Kamera drauf zu halten, sollte man sich zurückhalten. In einigen Souks hängen sogar Schilder, dass das Fotografieren nicht gestattet ist. Wenn man Fotografieren möchte, sollte man die Menschen um Erlaubnis bitten und davon ausgehen, dass entweder aus religiösen Gründen abgelehnt oder um ein paar Dirham gebeten wird. Ich habe im Netz die Richtlinie 2 Dirham für normale Menschen, 2 bis 5 für besonders außergewöhnlich gekleidete Personen und 5 Dirham für Wasserträger etc. auf dem Djemaa el Fnar gefunden. Militärisch Gebäude dürfen grundsätzlich nicht fotografiert werden.

Jallah jallah*

In Marokko ticken manche Uhren anders. Frühstück ist grundsätzlich eine halbe Stunde später fertig als gewünscht, Hammam fängt auch später an, dauert dafür aber auch länger. Taxi und Bahn allerdings sind pünktlich. Aber wozu ist man im Urlaub – bestimmt nicht, um zu hetzen.

*auf gehts

Als Frau alleine unterwegs

An dem Tag, an dem ich alleine unterwegs war, wurde ich weniger angesprochen, als wenn wir zu dritt waren. Allerdings könnten daran auch meine (nicht blonden) Haare schuld sein, eine blonde Belgierin erzählte mir, dass sie ziemlich oft angesprochen wurde. Generell gibt es aber wenig aufdringliche Menschen, meist wird man in Ruhe gelassen, wenn man kein Interesse zeigt. Nur eine alte Frau wurde einmal sehr zudringlich, weil sie wollte, dass ich ihr eine Sprite kaufe – da hat aber ein hilfesuchender Blick zu den allgegenwärtigen Männern tatsächlich geholfen. Dass man sich in einem muslimischen Land befindet sollte einem jedoch klar sein, Hotpants und Spaghettitops sind nicht nur fehl am Platz, sondern können auch tatsächlich dazu führen, dass die Trägerinnen (in dem Fall waren es allerdings Marokkanerinnen) bespuckt werden.

Je ne parle pas français

Ich spreche kein Französisch. Das hat mir vor der Reise etwas Bauchweh gemacht. In den Souks sprechen viele neben englisch sogar ein paar Brocken deutsch. Auch am Flughafen, im Touristenbus und bei Sehenswürdigkeiten – we speak english. Schwieriger wird dann schon eine Taxifahrt, der Weg abseits der üblichen Touristenpfade oder die Kommunikation mit dem Personal unseres Riads. Man sollte möglichst ein paar Brocken französisch beherrschen, um nicht zu verzweifeln.

Milde Gaben

Gerade abends zeigt sich auch die Schattenseite von Marrakesch: Bettelnde Frauen sitzen an der Straße, neben unserem Riad wohnte ein Mann in einem ein mal ein Meter großen Zimmer, auf der Straße schliefen Menschen. Das muss man abkönnen, genau wie die vielen streunenden Katzen, denen es aber scheinbar (im Gegensatz zu den Menschen) an nichts mangelt.

Marrakesch ist eine Reise wert

Marrakesch lohnt sich – Touristen müssen sich allerdings darauf einlassen, in eine andere Welt einzutauchen. Gerade das macht den Reiz aus, sorgte aber auch dafür, dass ich nach den wenigen Tagen gerne wieder gefahren bin. Ein bis zwei Tage mehr wären gut gewesen, dann hätte ich noch ein paar Sehenswürdigkeiten besuchen können, eine Woche halte ich aber für völlig ausreichend.

6 Comments

  1. Hallo Sandra. Sehr schöner Eintrag zu Marrakesch! Sag, kannst du kurz erklären, wie man sich dort am besten fortbewegt? Zu Fuß? LG

    • Am besten zu Fuß oder mit einem Taxi (die sind günstig, obwohl sie sich konstant weigern, einen Taxameter anzumachen – oder gar keinen haben). Auto sollte man nur nehmen, wenn man lebensmüde ist.

  2. Hallo Sandra,
    schöner Bericht! Ich werde nächste Woche ein paar Tage in Marrakesch sein, und zwar allein. Wenn das Essen auf dem Platz losgeht, wird es wohl schon dunkel werden. Was sagt Dein Bauchgefühl: Kann man sich als Frau alleine hinwagen? Wäre schon schade, das zu verpassen…
    LG

    • Hallo Inga,
      ich habe es ja nicht ausprobiert, würde aber vom Gefühl her sagen, dass Du auf dem Platz abends als Frau weniger zu befürchten hast, als in den umliegenden Gassen. Dort sind viele Menschen und alles ist hell erleuchtet. Nur keinen Affen auf den Arm setzen lassen (falls die abends überhaupt mit den Affen rumlaufen, ich habe keine gesehen). Vom Platz aus kommst Du auch gut mit einem Taxi wieder zum Hotel, falls es weiter ist.
      Ich hatte auch abends keine Angst in Marrakesch, habe mich allerdings auch entsprechend gekleidet (lange Arme, Po bedeckt) und einfach alle Anquatscherei ignoriert.
      Viel Spaß – es wird bestimmt toll!

  3. Ja, Marrakesch ist immer eine Reise wert. Dein Bericht ist eine gute Einstimmung. Ich freue mich jetzt schon, bald wieder nach Marrakesch zu reisen.

    Allerdings kann man dort durchaus auch als Mitteleuropäer mit einem Mietwagen klar kommen. Wir sind 2013 von Agadir mit einem Kleinwagen dorthin gefahren. OK, war schon etwas spannend, aber letztendlich gar kein Problem. Man sollte halt nur die Augen offen halten und sich intuitiv verhalten 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.