Mit der Kulturlinie 107 durch Essen und Gelsenkirchen

Berlin hat den 100er Bus – da muss das Ruhrgebiet doch auch mit einer „Kulturlinie“ nachziehen. Und weil ich einen Tag frei hatte und das Tagesticket 10,6090 € kostet, bin ich nicht mit der Kulturhauptstadttour, sondern der Straßenbahnlinie 107 gefahren.

Zunächst war jedoch die Strecke Essen – Gelsenkirchen zu bewältigen. Leichter gedacht als getan, die VRR-App zeigt beharrlich Verbindungen in der Vergangenheit an. Schliesslich finde ich auf Gleis 22 einen Zug. Gleis 22 am Essener Hauptbahnhof ist etwa so kuschelig, wie in Berlin das Kottbusser Tor. Die Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges wird von einem alkoholseeligen Mann gestaltet, der mit verblüffender Peter Heppner-Stimme zu seiner Klampfe singt. Und danach nicht einmal Geld möchte, sondern einfach auf seinem Platz sitzen bleibt.

In Gelsenkirchen angekommen, suche ich die Kulturlinie. Sowas sollte ja ausgeschildert sein. Ist es auch, in der Unterführung direkt neben der Gruppe Alkoholkonsumenten (Ausgang Richtung Innenstadt) sehe ich das Schild „107 hält bei Großveranstaltungen…“. Hier sollte es sein. Ist es auch und schon nach 15 Minuten Wartezeit (war die in der eigens heruntergeladenen 107er-App nicht die Rede von 10 Minuten-Takt? Naja, das Kulturhauptstadtjahr ist vorbei.) kommt die Bahn. Ich bin vorher schon zwei Stationen mit der 302 zum Musiktheater gefahren. Dann geht es bis zum Triple Z. Unbedingt anschauen, sagt die App. Etwas verwirrt stehe ich vor einem kleinen Turm auf einem großen Industriegelände. Sehenswert ist das nicht. Dann vielleicht eher die Brieftaubenklinik auf dem Nachbargelände. Auf dem Rückweg zur Straßenbahn stolpere ich immerhin über einen schönen, wenn auch etwas morbiden und wasserlosen Brunnen.

Nach angemessener Wartezeit wieder die 107. Diesmal lasse ich alles links und rechts liegen und fahre durch bis Zollverein. Dort wird erst einmal eine gute Currywurst vor der Kohlenwäsche konsumiert. Mit dem letzten Bissen setzt ein heftiger Schauer ein und ich flüchte über die orange Rolltreppe in das Ruhr Museum.

Als ich nach über zwei Stunden wieder raus komme, weiss ich viel über das Ruhrgebiet, hab noch lange nicht die ganze Ausstellung gesehen und weiss, dass ich Pottlappen brauche. Und demnächst noch einmal in das Ruhr Museum gehe.

Eigentlich wollte ich jetzt bis zur Margarethehöhe fahren und dort ein bisschen spazieren gehen. Übrigens fährt die 107 auf Essener Gebiet alle fünf Minuten. Und jede zweite Fahrt geht auch bis zur Endhaltestelle. Uneigentlich sind die Füße platt und das Wetter grau. Da kommt die Einladung meines alten Arbeitskollegen, beim Sommerfest der Stadtverwaltung Gelsenkirchen vorbei zu schauen, gerade recht. Also bis zum Essener HBf, von dort U-Bahn, Straßenbahn – und schon nach etwas über einer Stunde ist man in Gelsenkirchen. Womit die Frage, warum es im Ruhrgebiet so viele Autos gibt, beantwortet wäre. Vielleicht ist aber auch gerade das wieder der Teufelskreis.

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Fazit: Nett gedacht, die Kulturlinie. Ich empfehle jedoch, die Ziele einzeln anzufahren, vor allem, da gerade Zollverein und Villa Hügel durchaus Tagesausflüge hergeben. Während der Fahrt sieht man die Sehenswürdigkeiten nicht.

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