Neunter Tag: Kulturschock in den Highlands

Wir verlassen die Queen und bleiben doch auf ihren Spuren – ihre Mutter bevorzugte das noch weiter nördlich liegende Castle of May für ihre Highland-Urlaube. Nördlicher geht nicht.

Wir geben uns erst einmal mit Lairg zufrieden, was auch schon ziemlich nördlich ist. Der Weg dort hin ist von Landschaft, Kühen und Schafen gesäumt und verläuft ereignislos. Zeit also für eine der Sehenswürdigkeiten der Highlands.

Die geschrumpften Falls of Shin

Die „magischen“ und „spektakulären“ Wasserfälle von Shin sind laut eigener Homepage absolut sehenswert, auch außerhalb der Lachssaison. Uns steht der Sinn zunächst nach den sanitären Einrichtungen des Besuchercenter, welches angeblich eine Harrod’s Außenstelle mit guter Lebensmittelabteilung sein eigen nennt, da Mr. Al Fayed in der Nähe wohnt. Anscheinend ist er verzogen, ich finde keine Lebensmittelabteilung. Aber wir sind ja auch wegen der spektakulären Wasserfälle hier. Gebannt stehen Menschenmassen an dem Absperrungsgitter und betrachten ein zirka ein Meter hohes Mini-Wasserfällchen, was man in deutschen Breitengeraden getrost als Stromschnelle bezeichnen würde. Das war wohl nichts, auch wenn die Homepage ebenfalls behauptete, dass auch ohne springende Lachse die Fall ein Naturereignis seien.

Bild ist NICHT um 90 Grad gedreht!

Zivilisation und Puschelkram

Wir brauchen Geld, Benzin und Abendessen. Wo es Benzin gibt, sagt uns das Navi. Die lokale Tankstelle ist gleichzeitig Supermarkt und deshalb relativ gut frequentiert. Die freundliche Kassiererin teilt uns in ihrem besten Hoch-Englisch mit, wo der Bankautomat ist und tatsächlich, die Bank of Scotland gibt uns Geld.

Das B&B führt dazu, dass ich mich sofort in eine unserer bisherigen Stationen zurück wünsche. Eine etwas hektische June führt uns an Nippes und Kitsch vorbei in unser Zimmer. Da, wo Menschen mit über 1,70 Metern Körpergröße stehen können, steht das Bett. Der Rest sind Schrägen. Vor dem Fenster grasen Schafe, neben dem Haus laufen Hühner. Immerhin.

Es kann nicht nur ein Restaurant geben

June empfiehlt das Highland Hotel im Zentrum von Lairg mit angeblich sehr gutem Essen. Dort angekommen, hat man leider keinen Tisch mehr im Restaurant für uns, zumindest wird dies nach der Konsultation diverser Bücher und Kollegen mitgeteilt. Wir werden in einen recht unfreundlichen Raum gesetzt, in dem eine Familie ebenfalls isst und andere Menschen auf ihr indisches Take-away warten (wird ebenfalls angeboten).

Während mein Vorspeisen-Haggis noch durchaus annehmbar ist, wird es beim Mann schon ein bisschen gruselig mit dem geräucherten schottischen Lachs. Besser mit dem ungetoastet gebutterten Toast, der sich um den Lachs kringelt. Das Hautgericht reisst es nicht raus. Bekommen wir sonst bei der Bestellung von Pie eine Schüssel mit einer hübschen Teighaube, findet sich hier ein Blätterteig-Irgendwas inmitten eines Fleisch- und Soßen-Sees. Geschmacklich ok, aber eben nicht das, was wir sonst in Schottland vorgesetzt bekommen haben. Wenn das für den Highländer gutes Essen ist, dann schwant mir für die nächsten drei Tage Böses. In das ausgebuchte Restaurant hat sich übrigens, bis wir mit dem Essen fertig waren, niemand gesetzt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

One Comment

  1. Ihr müßt das positiv sehen – wenn das Essen immer so gut schmeckt, habt Ihr hinterher Röllchen in der Taille ………
    Drei Tage nur wenig essen ist da schon eine gute Gegenmaßnahme !

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