Ob Schöner oder Pompöös: Entspannt umziehen mit Zapf

Bei meinem letzten Umzug habe ich mich endlich dafür entschieden, nicht irgendwelche Helfer zusammen zu trommeln (die dann doch nicht kommen), ständig um Vorsicht zu bitten (wobei die Sachen dann doch kaputt gehen) und vor allem: den Kleiderschrank nicht selber ab- und aufzubauen. Eine kleine Entscheidungshilfe könnte auch gewesen sein, dass mein Vater bei meinem letzten Umzug den LKW gefahren ist und (kaum in Berlin) zweimal die Polizei rufen musste, weil er Schilder, Autos etc. netterweise mitgenommen hat.

50 m² von Berlin ins Ruhrgebiet
Von Berlin nach Essen ging es, rund 50 m² Wohnung sollten umziehen. Die verschiedenen Angebote der Umzugsunternehmen taten sich nicht viel, wobei ich von vorneherein kleine Unternehmen ausgeschlossen hatte – zu groß war die Angst vor dem berühmt berüchtigten Anruf „Wir stehen jetzt in XY und wenn Sie die Möbel wiedersehen möchten, legen Sie noch einmal 1500 € drauf.“ Die Entscheidung fiel also für Zapf, nicht alleine wegen der sympathischen Geschichte des Unternehmens.

Zum vereinbarten Termin wurden die Umzugskisten geliefert, tagelang standen zwei Kleiderkisten vor meinem Bett, auf denen neben dem Konterfei des Firmengründers der Bibelspruch „Einer trage des anderen Last“ prangte. Tagelang wuchs der Kistenberg in meinem Wohnzimmer, der Mann belächelte bei seinem Abschiedsbesuch in Berlin, dass die Kisten nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch mit dem Gewicht beschriftet waren.

Wie ein einzelner Hänfling mal eben einen Kühlschrank stemmt
Am Umzugstag standen schliesslich „meine“ Männer vor der Tür: Ein Schreiner, ein Schrank und ein „Hänfling“. Knapp drei Stunden und meine Wohnung war leergefegt, der vermeintliche Hänfling schleppte nicht nur mehrere Kisten gleichzeitig ohne Rücksicht auf Gewichtsangaben (auch ohne Rücksicht auf „Vorsicht Glas“-Aufkleber, denn: „Sie haben ja selber gepackt, da sindse auch selber verantwortlich.“), sondern als Höhepunkt alleine meine Waschmaschine. Die hatten der Mann und ich mit Treppensackkarre und lautem Stöhnen vor drei Jahren nach oben gehieft. Dabei waren alle drei nicht nur sehr sympathisch, sondern auch umsichtig, was vor allem meine Blumen zu schätzen wussten (die sollte ich nämlich entgegen der Verabredung mit dem Disponenten selber transportieren, weil sie sonst erfrieren. Dafür nahmen sie ein paar andere Sachen mit, die ich bei mir eingeplant hatte).

Am nächsten Tag war ich vor meinen Möbeln an der neuen Wohnung. Kein Wunder, denn wie sich später herausstellte, war es der an diesem Tag fünfte Umzug der Manschaft. Der Schreiner war der selbe, was mich sehr freute, da er meinen Schrank vorsichtiger und sorgfältiger ab- und aufbaute, als die Monteure beim Kauf. Wieder war ein Schlepper und ein Springer im Team und wieder konnten wir nur staunen, was ein einzelner Mann so tragen kann. Die trotz Bestellung nicht vorhandene Parkverbotszone machte auch nichts – wer wird schon einen LKW abschleppen, der 1 1/2 Fahrspuren (bei vier Spuren) verperrt, bis zu den Fenstern in der ersten Etage geht und auf dem „Kreuzberger Umzugskombinat“ steht.

Fazit: Nichts ist kaputt gegangen, ich hatte an meinem Umzugstag noch Zeit für einen Museumsbesuch und ein entspanntes Abendessen mit Freunden, sämtliche Pflanzen leben und  sowohl der Mann als auch ich hatten viel Spaß mit den Umzugstruppen. Vielleicht hatte Herr Glööckler von Pompöös nicht ganz so viel Spaß mit seiner Mannschaft – in der Doku über seinen Umzug sind aber die selben Zapf-Kleiderkisten zu sehen, die auch mein Schlafzimmer geziert haben.

P.S.: Für mich ist es selbstverständlich, dass Menschen, die sich drei Stunden in meiner Wohnung aufhalten (und dazu noch körperlich arbeiten), etwas zu trinken und mindestens ein paar Kekse, Süßigkeiten o.ä. bekommen. Am zweiten Tag gab es eben Würstchen, Brötchen, Kartoffel- und Krautsalat – nicht nur ich hatte nämlich Hunger, sondern auch die Umzugsmänner. Und Trinkgeld kann auch jeder brauchen. Leider ist sogar die Verpflegung nicht selbstverständlich, frei nach dem Motto „Der Umzug ist ja so schon teuer genug.“ Vielleicht sollte man es eher so sehen: Der Umzug ist eh schon so teuer, da fallen Würstchen etc. auch nicht mehr ins Gewicht.

One Comment

  1. Ich habe schon 8 Umzüge hinter mir, ein weiterer erfolgt im April.

    Ich hatte alles… Umzüge über hunderte von Kilometern (mit einem zu klein gemieteten Auto, mein Mann und seine Fähigkeit des Schätzens #augen), Umzug mit Bananenkisten, Wäschekörben und geliehenen Taschen und Koffern. Da riss auch mal eine Tasche unter der Bücherlast #schein

    Ich war bei den meisten Umzügen immer entweder blank oder geizig, daher habe ich versucht es so günstig wie möglich über die Bühne zu bringen (der Grund für die geklauten Bananenkisten…).

    Den letzten Umzug haben wir bezahlt bekommen. Wir wollten selbst packen und beschriften, den Rest machten die Helfer auf Kosten der Firma meines Mannes #ole

    Daraus habe ich gelernt: Selbst schleppen, fahren und wieder schleppen ist ok und machbar, aber ich würde nie mehr auf ausreichend Umzugskartons verzichten. Dann bestellt man die eben im Netz im großen Pack und investiert das Geld.

    Man kann Zimmer für Zimmer packen und beschriften sowie die Kisten gleich in das richtige Zimmer bringen. Wir haben die Kisten zusätzlich mit Nummern versehen und auf einer Liste vermerkt, was ungefähr darin versteckt ist. So musste man nicht auf die Schnelle und unter Verzweiflung auspacken, weil man was suchte.

    Außerdem Zeit nehmen für das Packen und nicht auf den letzten Drücker, dann hat man auch Gelegenheit gleich irgendwelchen Mist auszurangieren. Ansehen, entscheiden, wegschmeißen.

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