Volker Kutscher: Der stumme Tod

?Der stumme Tod: Gereon Raths zweiter Fall

Berlin 1930 – Der Tonfilm ist auf dem aufsteigenden Ast – um so bedauerlicher ist es, dass die Schauspielerinnen dies nicht überleben. Gereon Rath, schon aus dem ersten Teil „Der nasse Fisch“ bekannter Kommissar ermittelt wieder und kommt dabei auf den Hund. Während Rath ständig auf der Flucht vor seinem Vorgesetzten ist, der ihn von dem Fall abziehen will, lernt er Filmproduzenten und Chinesen in Berlin kennen, erldigt einen Gefallen für Konrad Adenauer, den Kölner Oberbürgermeister, und nähert sich Charly wieder an.

Ein wenig schwächer als der erste Teil (vielleicht auch, weil schon sehr früh ein Hinweis auf den Täter kommt…), auf jeden Fall aber ebenso lesenswert und unterhaltsam.

Leseprobe

(Die Dame auf dem Bild ist Lya de Putti, der keine Karriere im Tonfilm vergönnt war – aufgrund eines starken ungarischen Akzents musste sie bei ihrem ersten Tonfilm synchronisiert werden. Weitere folgten nicht, auch, da sie operativ von einem Hühnerknochen befreit werden musste, woraus sich eine tödliche Blutvergiftung ergab.)
Fotoquelle: Wikimedia

2 Comments

  1. Tatsächlich wird man das Gefühl nicht los, dass V. Kutscher unbedingt auf der Welle der historischen Krimis mitschwimmen will. Verkaufen sich ja gut. Offensichtlich hat er nach einer noch wenig bearbeiteten Epoche gesucht und sich dann für die 20er Jahre entschieden. Ich gebe Bert Schindelmayr völlig Recht. Da hat einer eine Handlung erfunden und sie mit Ach und Krach in eine geschichtliche Epoche gequetscht. Es ist zum Lachen, wenn Gereon Rath morgens „den Badeofen anwirft“, duscht, sich einen Espresso macht, nein, Kaffee aufbrüht und irgendwelche coolen Jazzplatten auf den Bang und Olufsen, nein, aufs Grammophon legt. Und das in einer Berliner Hinterhofwohnung, wo es damals wohl gerade eine Gemeinschaftstoilette auf der Etage gab. Wenn man nie etwas von Döblin, Fritz Lang oder Otto Dix gelesen oder gehört hat, mag man diesen Krimi ganz nett finden. Ich habe mich ziemlich oft geärgert !

  2. Und dennoch hat auch diese Art der Romane eine Berechtigung, bringt sie doch Menschen dazu, die garantiert nie Döblin & Co. lesen würden, sich mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen. Mir machen sie Freude.

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