Digitaler Nachlass

Vor dem Tod meines Vaters waren wir alle der Meinung, dass alles geregelt und sein Nachlass einfach zu bearbeiten ist. Dann aber stellte sich im Ernstfall heraus, dass neben den üblichen Dingen wie diversen Konten, Zeitschriftenabos etc. eine Vielzahl von Internetkonten bestanden. Mein Vater war ein begeisterter Computer- und Internetnutzer und es hatte sich einiges angesammelt.

Ein Potpourri des Internets

Diverse Emailkonten, Konten bei ebay und Co., aber auch bei einigen Spiele-Portalen besass mein Vater Konten. War ich zuerst davon überzeugt, die Abmeldungen selber hinzubekommen, verzweifelte ich nach einiger Zeit. Teilweise stimmten die Passwörter nicht mehr, teilweise mussten zur Account-Löschung irrwitzige Angaben gemacht werden („deine IP-Adresse, dein Charaktername, die letzten von dir gespielten Spiele und der genaue Standort des Bernsteinzimmers“). Außerdem tauchten weitere Internetkonten auf, die nicht in der Liste meines Vaters zu finden waren.

Zumindest konnte ich einige Abos aufspüren und löschen, die Frage war nur, ob ich die anderen Konten einfach so stehen lassen sollte. Da bei einigen unlöschbar Zahlungsinformationen hinterlegt waren, war mir das nicht sonderlich recht. Da Verträge außerdem nicht automatisch mit dem Tod enden, war Löschung der sinnvollste Weg.

Bestatterexklusive Nachlassverwaltung

Durch Zufall stieß ich auf Columba, ein Berliner Unternehmen, dass 2013 eine Lösung zur Regelung des digitalen Nachlasses auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile wurde diese Lösung erweitert, so dass auch Ab- und Ummeldungen von z.B. Versicherungen, Strom, ADAC etc. so geregelt werden können. Die digitale Nachlassverwaltung wird ausschließlich über Bestatter angeboten, was mich tatsächlich davon überzeugte, dass es sich nicht um eine windige Wald- und Wiesengeschichte handelt.

Da der Bestatter, der die Beerdigung meines Vaters organisiert hatte, Columba nicht anbietet, versuchten wir unser Glück bei einem nahe gelegenen Bestatter, den wir über die Suche gefunden hatten. Der wollte aber nur seine eigenen Kunden versorgen, nicht aber noch fremdbestatte. Eine Nachricht an das Facebook-Team von Columba brachte den Durchbruch: Kurze Zeit später wurde mir ein anderer Bestatter in der Nähe genannt, dem mein Anruf schon angekündigt worden war.

Columba – die Lösung?

Für meinen Vater wurde ein Konto (noch eins …) eingerichtet, in das ich mich einloggen kann. Mitgliedschaften etc. kann ich über eine Maske eingeben, automatisch werden außerdem Anfragen an verschiedene Internetanbieter verschickt. Schon im Gespräch wurde darauf hingewiesen, dass es drei bis vier Tage dauert, bis erste Ergebnisse zu sehen sind.

Drei Tage lang zweifelte ich ein bisschen, ob ich nicht lieber weiter selber Konten gelöscht hätte. Dann aber tauchten tatsächlich Konten auf, die mir nicht bekannt waren. Automatisch wurde überprüft, ob Verbindlichkeiten oder Guthaben vorliegen und ich über die Kontenlöschung informiert. Über die Maske konnte ich außerdem sehen, bei welchen Unternehmen außerdem angefragt wurde und welche keinen Eintrag zu meinem Vater hatten.

Grüner Pfeil bedeutet angefragt, bei rotem Männchen gibt es kein Konto. Gefundene Konten werden durch grüne Doppelpfeile angezeigt.

Automatisch wird eine Vielzahl Unternehmen abgefragt. Ich habe zusätzlich die Möglichkeit, individuelle Suchen zu starten, was besonders bei den Spieleportalen sicherlich sinnvoll ist.
Durch das System spare ich mir außerdem, die Sterbeurkunde in alle Welt schicken zu müssen – die Daten wurden einmal ins System eingegeben und so quasi bestätigt. Bei Vorliegen des Erbscheins und Eintragen desselben erweitern sich die Möglichkeiten noch einmal.

Profile in sozialen Netzwerken können entweder gelöscht werden oder in einen Gedenkzustand. So wird vermieden, dass man noch Jahre nach dem Tod Hinweise auf den anstehenden Geburtstag „Gratuliere XYZ“ erhält, wie es mir mit einer ehemaligen Arbeitskollegin geht. Genau so ein Fall hatte auch die Gründer von Columba dazu animiert, eine Lösung für den digitalen Nachlass zu entwickeln.

War das Columba Portal am Anfang nur für die digitale Nachlassregelung gedacht, können seit 2016 auch Ab- und Ummeldungen für beispielsweise Strom, Handy, Fernsehen etc. darüber erledigt werden.

Spart Zeit und Nerven

Mittlerweile wünsche ich mir, ich hätte Columba schon vorher gefunden. Dann hätte ich mir die ein oder andere Stunde, die ich mit Recherche und Passwort-zurücksetzen verbracht habe, sparen können. Die knapp 50 Euro, die wir (Stand Juni 2018) gezahlt haben, ist der Dienst auf jeden Fall wert.

Digitale Vorsorge

Da der Mann und ich eher noch mehr Internetkonten als mein Vater besitzen, haben wir beschlossen, unsere Passwortverwaltung nicht nur auf den neusten Stand zu bringen, sondern uns auch eine Familienlösung anzuschaffen. Trotzdem würde ich wahrscheinlich im (hoffentlich noch sehr sehr lange nicht eintretenden) Fall der Fälle zu einem bei Columba registrierten Bestatter gehen. Zum einen weiß ich, dass ICH mich an das ein oder andere Konto nicht mehr erinnere (gibt es eigentlich noch MySpace?), zum anderen finde ich die Möglichkeit des einfachen Ab- und Ummeldens von Versicherungen etc. sehr komfortabel.

Das Produkt wurde von meiner Mutter vollständig bezahlt. Ich bin aber sehr froh darüber, dass es so eine Möglichkeit gibt, daher diese „Werbung“.

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