Als Wahlhelfer mittendrin und nicht nur dabei

13. September 2015. Ganz NRW wählt Oberbürgermeister. Naja, nicht ganz NRW, Köln hatte zum Beispiel ein kleines Problem.

In NRW stimmt die Schriftgröße der Wahlzettel, die Wahlzettel sind auch da und es gibt (zum Glück) mehr als einen oder zwei Kandidaten. Und ich sitze in meinem Wahllokal heute mal auf der „anderen Seite“ – als stellvertretende Schriftführerin.

Vor einigen Monaten schon habe ich die „Meldung zur Übernahme eines Ehrenamtes als Wahlhelfer“ ausgefüllt, wie die Anmeldung so schön beamtendeutsch heißt. Aufgrund nicht vorhandener Erfahrung fand ich einen Stellvertreter-Job angemessen, als Wunschort habe ich mein eigenes Wahllokal angegeben. Beides hat geklappt, das erfahre ich allerdings erst, als mir ein offizieller Umschlag in den Briefkasten flattert. Darin eine Aufforderung, mich als Wahlhelfer einzufinden (und der Androhung einer Strafe, wenn ohne triftigen Grund nicht) und eine kleine Anweisung, was man als Wahlhelfer so beachten und machen soll. Der „normale“ Wahlvorsitzende und Schriftführer erhalten zusätzlich eine Schulung bei der Stadt Essen.

Wahlhelfer - Schöner Blog(t)Sonntag morgen, kurz vor sieben. Vor dem nahegelegenen Altersheim treffe ich meine Mithelfer. Schnell wird klar: Wir sind quasi zwei Wahllokale an einem Ort, da wir zwei verschiedene Stimmbezirke abdecken. Ich helfe in Stimmbezirk 1010, gehe aber um acht Uhr erst einmal in Stimmbezirk 1001, also drei Räume weiter, wählen.

Bis zur Eröffnung des Wahllokals müssen noch ein paar Vorbereitungen getroffen werden. Schilder werden aufgehangen, Kullis angeknotet und – die Urne versiegelt. In dem großen mülleimerartigen Plastikding waren nämlich zunächst alle Unterlagen und Materialien, die wir so brauchen. Stimmzettel, Kugelschreiber, diverse Papiere, Umschläge für die Auszählung und und und. Wenn die Urne dann leer ist, kommt das Schloss wieder dran und es wird ein Aufkleber mit der Unterschrift des Wahlvorsitzenden so aufgeklebt, dass sie versiegelt ist. Wir machen noch schnell einen Pausenplan und schon sind wir fertig und bereit für die ersten Wähler.

Wir, dass sind Wahlvorsteher und Stellvertreter, Schriftführer und Stellvertreter und drei Beisitzer. Alle haben sich freiwillig gemeldet, einer hilft schon länger bei Wahlen, als ich lebe und zwei sind Erstwähler. Von der Stadt ist erstaunlicherweise keiner dabei.

Während der Wahl sind die Aufgaben gut verteilt: Der Schriftführer (oder Stellvertreter) hakt die Wählernummer im Wahlverzeichnis ab, der Vorsteher gibt den Wahlzettel heraus und der Beisitzer „bedient“ die Urne. Den Satz „Die Wahlbenachrichtigung erhalten sie für eine eventuelle Stichwahl zurück“ träume ich nachts noch.

Wahlhelfer - Schöner Blog(t)

Ich bleibe bis 13 Uhr, danach habe ich erstmal Pause bis 17 Uhr. In der letzten Stunde und zum Auszählen müssen wir alle anwesend sein. Als ich zur Pause abgelöst werde, bin ich ziemlich überrascht. Trotz steigerungsfähiger Wahlbeteiligung ist die Zeit wahnsinnig schnell verflogen. Die Wähler sind alle freundlich, die meisten wünschen uns noch einen schönen Tag und viele bedanken sich sogar, dass wir unseren Sonntag „opfern“. Ein benachbarter Wirt bringt uns und den Helfern von 1001 mittags Flammkuchen – ein sehr netter Zug!

Um 18 Uhr wird das Wahllokal kurz geschlossen, dann wieder geöffnet, denn auch die Wahlauszählung ist öffentlich. Wir prüfen die Zahl der im Wahlverzeichnis abgehakten Wähler, öffnen die Stimmzettel und zählen für die Kandidaten abgegebene Stimmen. Alles wird doppelt gezählt, schliesslich soll auch alles stimmen. Nach doppelter Auszählung wird alles in diverse Umschläge verpackt und die Ergebnisse werden telefonisch dem Wahlamt mitgeteilt. Nachdem wir die Wahlkabinen abgebaut und auch sonst ein bisschen klar Schiff gemacht haben, werden alle Wahlunterlagen zur Stadt gefahren.

Beim Abendessen erfahre ich: Es wird eine Stichwahl geben. Ich habe also für den 27. September eine Verabredung.

Nicht nur die Stadt Essen, sondern auch andere Städte suchen Wahlhelfer. Im Mai 2017 finden in NRW Landtagswahlen statt, im September 2017 in ganz Deutschland Bundestagswahlen. Dann kann man, wenn man sich als Wahlhelfer meldet, einen Einblick in den Ablauf einer Wahl bekommen und viele (neue) Leute aus der Nachbarschaft kennenlernen.

Das Erfrischungsgeld, welches ich für meinen Einsatz als Wahlhelfer erhalte(n habe), geht an das äußerst unterstützenswerte Projekt „Blogger für Flüchtlinge„. 

4 Comments

  1. Guten Tag Frau Schöner,
    wir kann man nur soviel bloggen/posten/twittern wenn es niemandem auf dieser Welt interessiert außer Ihrem Mann?
    #SachediedieWeltnichtbraucht
    W. Go.

    • Aber, aber! Das ist ja ganz offensichtlich falsch, denn es gibt ja mindestens noch einen weiteren Menschen, den es so sehr interessiert, dass er sogar um die gesamte Leserschaft Bescheid weiß und ein Auge auf die Postfrequenz hat. Und sich dann auch noch die Mühe gibt, seine Sorgen und Bedenken in Kommentaren zu äußern.

  2. Ich finde, niemand wird zum Lesen eines Blogs gezwungen und wenn mich etwas nicht interessiert, dann lese ich es halt nicht !!!
    Es sei denn, ich brauche etwas, worüber ich mich öffentlich aufregen kann……..
    Da erhebt sich dann natürlich die Frage, ob d a s irgendjemand interessiert !

  3. Das ist ein Phänomen – W.Go ist genervt aber dennoch bestens über die Aktivitäten von ‚der Frau‘ informiert…. Hä????????

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