Ristorante Ecco im Hotel Giardino

Tessin. Heimat der Grotti, kleiner uriger Restaurants. Aber auch der Sterne-Restaurants, gleich fünf davon tummeln sich im „Ticino“. Wir haben das Ristorante Ecco besucht. Dort führt Rolf Fliegauf eine mit zwei Sternen und 17 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küche. Mit ihm habe ich übrigens auch ein Interview geführt, welches hier in den nächsten Tagen erscheint.

Kressebeet zum Selberernten

Als erstes begegnet mir meine eigene Nähschere. Die liegt nämlich an einem Kressebeet. Zum selber schneiden und in Kombination mit einem selbstgebackenen Brot, aufgeschlagener Butter und Salz. Der Mann ist so begeistert, dass wir noch ein Brot ordern müssen.

Selbstgebackenes Brot mit aufgeschlagener Butter, Salz und Kressebeet

Selbstgebackenes Brot mit aufgeschlagener Butter, Salz und Kressebeet

Kressebeet

Auch das Menü kann man sich selber zusammen stellen: Drei bis acht Gänge sind möglich, für das Fünf- und das Acht-Gänge-Menü gibt es Karten. Wer möchte, kann aber auch einzelne Gänge von beiden Karten zu einem Menü kombinieren. Der Mann und ich halten uns (fast) an das Fünf-Gang-Menü, unsere Begleitung Simone stellt fleissig zusammen. Ausserdem entscheiden wir uns für den kleinen Wine-Flight. Wie ich gerne sage „Die werden sich schon was dabei gedacht haben.“

Sehr gut ausgesuchte Weine, die großzügig nachgeschenkt werden.

Sehr gut ausgesuchte Weine, die großzügig nachgeschenkt werden.

Amuse Gueule

Vor dem Start des Menüs werden aber zunächst einige Amuse Gueule serviert. Besonders das auf dem Stein angerichtete sieht so schön aus, dass ich es kaum essen mag. Jenifer Strube, Gastgeberin im Ecco, hat aber recht: „Das wäre zu schade.“

Gänseleber - Rote Bete - Kümmelkaramell

Gänseleber – Rote Bete – Kümmelkaramell

Kabeljau - Kabeljauhaut - Blumenkohl

Kabeljau – Kabeljauhaut – Blumenkohl

Hühnerhaut - Innereiencreme - Eigelb

Hühnerhaut – Innereiencreme – Eigelb

Pumpernickel - Kräuter - Pilze (auf einem Maggiastein serviert)

Pumpernickel – Kräuter – Pilze (auf einem Maggiastein serviert)

Jakobsmuschel – Salate – Haselnussöl - Puffreis

Jakobsmuschel – Salate – Haselnussöl – Puffreis

Erster Gang

Eigentlich könnten wir jetzt gehen. Satt genug wäre ich. Aber dann würden wir ja das eigentliche Menü verpassen. Unser erster Gang besteht aus Entenleberterrine im Räucheraalmantel, Entenlebereis und gebratener Entenleber, gepuffte und karamellisierte Hirse, Creme vom Granny Smith Apfel, frischem Apfel sowie Brunnenkresse in Pinienkernvinaigrette. Alles schmeckt toll, Ich bin aber besonders begeistert von dem Entenlebereis.

Entenleber - Räucheraal - Granny Smith Apfel

Entenleber – Räucheraal – Granny Smith Apfel

Simone hat sich für eine Lachsforelle entschieden.

Brüggli Lachsforelle - Austernemulsion - grünes Gemüse

Brüggli Lachsforelle – Austernemulsion – grünes Gemüse

Zweiter Gang

„Ein Blumengärtchen mit Carabiniero“ könnte man unsere Teller auch überschreiben. Optisch und geschmacklich hervorragend.

Carabiniero - Gurke - milder Ziegenkäse

Carabiniero – Gurke – milder Ziegenkäse

Simone bekommt die Rotbarbe mit Artischocke und Tomate.

Atlantik Rotbarbe - Artischocke – Tomate

Atlantik Rotbarbe – Artischocke – Tomate

Babylonisches Sprachgewirr

„Es tut mir leid, dass ich so ein Sprachgewirr anrichte“, entschuldigt sich der Chef de rang. Dabei sind wir selber schuld, der Mann und ich sprechen Hochdeutsch, Simone mit uns ebenfalls und mit dem Service Schwyzerdütsch. Am Nebentisch wird englisch gesprochen, da soll mal einer mitkommen.

Neben sehr guten Sprachkenntnissen fällt beim Service Aufmerksamkeit, aber auch Persönlichkeit auf. Hier hat keiner einen Stock verschluckt und wir erfahren auch mal, wenn uns der Lieblingswein serviert wird.

Dritter Gang

Während wir uns mit einem Fischgang vergnügen, muss Simone aussetzen. Macht aber nichts, das holen wir später wieder rein.

bretonische Seezunge - Quinoa - Morcheln

bretonische Seezunge – Quinoa – Morcheln

Vierter Gang

Beim Hauptgang weiche ich vom Menü ab: Ich möchte Kalbsbries probieren. Auch, wenn ich nicht mehr weiss, was das eigentlich ist. (Es ist ein der Ausbildung der Immunabwehr dienendes Organ, was sich bei ausgewachsenen Tieren zurückbildet.) Vielleicht lockt mich auch vor allem die Périgord Trüffelcreme …

Muotathaler Kalbsbries - Erdnuss - Périgord Trüffelcreme

Muotathaler Kalbsbries – Erdnuss – Périgord Trüffelcreme

Dass ich kein Kalbsbries-Fan geworden bin, liegt nicht an der Zubereitung. Es liegt am Kalbsbries. Aber ich bin Fan der goldenen Erdnuss geworden.

Bresse Perlhuhn - Spargel – Mais

Bresse Perlhuhn – Spargel – Mais

Simone hat sich für das Bresse-Perlhuhn entschieden, der Mann ist einfach beim Menü geblieben und hat ein Bisonfilet auf dem Teller. Er ist mit seiner (Nicht)Wahl sichtlich zufrieden.

Bisonfilet - Rindermark - Sellerie

Bisonfilet – Rindermark – Sellerie

Nun ist es an uns, zu warten: Simone hat sich für den Käsegang mit Käse aus dem Berner Oberland entschieden. Dazu gibt es sehr leckere Cracker (ich darf auch einen probieren).

Schlossberger - Zwiebeln - Salsiz

Schlossberger – Zwiebeln – Salsiz

Fünfter Gang

Beim Dessert gewinnt Simones Teller den Schönheitspreis (auch, wenn das Fotos leider unscharf geworden ist):

„Maggiastein” - Kakaobohne – Himbeere

„Maggiastein” – Kakaobohne – Himbeere

Ein Stein aus dem Maggiatal liegt auf ihrem Teller. Allerdings ist der „nachgebaut“ aus Kakaobohnenmouse mit flüssigem Himbeerkern. Dazu gibt es Kakaobohnencrumble und Kakaobohnentuille, frische Himbeeren, Himbeergel und verschiedene Kräuter.

Der Mann und ich essen Variationen von der Valrhona-Schokolade, die in verschiedenen Konsistenzen auf unserem Teller liegt. Dazu gibt es Milchhaut – eigentlich finde ich die ziemlich eklig, als Chip aber wirklich lecker.

Valrhona Schokolade - Milch - Kräuter

Valrhona Schokolade – Milch – Kräuter

Fünf Gänge geschafft, könnte man denken. Dann kommen allerdings noch viele weitere Köstlichkeiten aus der Küche. Ein nicht endendes Dessert-Menü – genau mein Geschmack.

Blaubeercheesecake

Blaubeercheesecake

Joghurt – Zitrone – Haselnussöl; im Hintergrund: Erdbeer – Hafer – Limone

Joghurt – Zitrone – Haselnussöl;
im Hintergrund: Erdbeer – Hafer – Limone

Nougat – Schokoladenkrokant – Sanddorn

Nougat – Schokoladenkrokant – Sanddorn

Cassis – Quinoa – Baiser

Cassis – Quinoa – Baiser

Irgendwann ist auch die letzte Köstlichkeit gegessen, Espresso und Grappa sind getrunken. Finanziell erleichtert, aber sehr zufrieden verlassen wir das Ecco. Sehr leckeres Essen, viel fürs Auge und ein toller Service haben uns durch den Abend begleitet. Dabei gab es die ein oder andere Überraschung: Wer hätte gedacht, dass ich mal Innereiencreme auf Hühnerhaut oder Milchhaut lecker finde?

Wer sich etwas gönnen möchte und im Tessin ist, der sollte einen Tisch im Ecco reservieren.

ristorante ecco

Ristorante Ecco im Hotel Giardino, Via del Segnale 10, CH – 6612 Ascona
Telefon 0041 – 91 785 88 88

Öffnungszeiten Ristorante Ecco:
Mittwoch bis Samstag 19 – 24 Uhr
Sonntag 12 -14 Uhr und 19 – 24 Uhr

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